1. Rune: Fehu - Vieh, bewegliches Eigentum Lautwert: F
Urgermanisch: fehu - Gotisch: faíhu - Altenglisch: foeh - Nordisch:
fé
Esoterische Interpretation des Namens: bewegliches Eigentum, Macht
Ideographische Interpretation: Hörner der Rinder des Viehbestands
Fehu ist die reine archetypische Energie der Bewegung und Ausdehnung im Multiversum.
Es ist die Kraft, die aus Muspellsheimr fließt, die Quelle des kosmischen
Feuers, aus welchem Midhgardhr hervorging (siehe I-Rune). Die F Rune ist Ausdruck
der all-umfassenden und allgegenwärtigen Macht und wird durch die anstürmende
Rinderherde und durch Lauffeuer symbolisiert. Das kosmische Feuer von Muspellsheimr
spielt bei der Erschaffung der Welt eine wesentliche Rollt war aber auch der
entscheidende Faktor in den zerstörerischen Kräften von Ragnarök.
Surtr, der Feuerriese, breitet die Flammen der Zerstörung über die
ganze Welt aus und tötet so alle Götter und Menschen mit Ausnahme
jener, die dazu bestimmt sind, zu überleben oder auf der Idha Ebene der
neuen Welt wiedergeboren zu werden (der strahlenden Ebene, Idhafeld). Man
muss beachten, dass Fehu nicht für die undifferenzierte, homogene Macht
des kosmischen Feuers von Muspellsheimr steht, sondern eher für das Mysterium
seines ewigen, wunderbaren Wirkens innerhalb des ganzen Multiversums. Diese
Rune ist für die der Fruchtbarkeit zugrundeliegende Kraft zuständig.
Die F Rune verkörpert das Mysterium sowohl der Erschaffung als auch der
Zerstöung und das harmonische Zusammenwirken dieser beiden Extreme, aus
denen dann die dynamische, evolutionäre Kraft hervorgeht. Fehu ist die
Rune des ewigen Werdens. Zusammen mit mehreren anderen Runen beschreibt sie
den heiligen Prozeß von Geburt - Leben - Tod - Wiedergeburt oder von
Entstehung-Sein / Werden Vergehen und neuem Werden. Genauer definiert, stellt
Fehu die archetypische Kraft dar, welche diesen ewigen Prozeß in Ganz
setzt. Die F-Rune ist die Essenz beweglicher Macht. Dies wird aus der profansten
Bedeutung ihres Namens ersichtlich: "Geld" oder "Vieh"
(im Gegensatz zur O-Rune). Diese Wortwurzel bedeutete ursprünglich "beweglicher
Reichtum" oder "bewegliches Eigentum" und wurde dann dem Begriff
des lebenden Inventars zugeordnet, welches für die meisten altgermanischen
Völker die wichtigste Form des beweglichen Eigentums darstellte. Später
wurde dieses Wort benützt, um den Begriff "Geld" auszudrücken
und daher stammt auch das moderne englische Wort "fee" Zusammenfassend
lässt sich feststellen, dass die F-Rune eine bewegliche Form der Macht
repräsentiert. Im magisch-psychischen Bereich ist das Konzept der beweglichen
Macht eng mit dem altgermanischen Begriff des hamingja verbunden. Dieser Aspekt
des psychosomatischen Komplexes kann am ehesten als bewegliche und übertragbare
magische Macht definiert werden. Das hamingja (oft als "Glück"
übersetzt) kann von einem Einzelwesen ausgehen, vergleichbar mit dem
Astralkörper anderer Lehren. Fehu ist dis auf ein Ziel gerichtete expansive
Kraft, welche die Projektion seelischer Wesenheiten und magischer Macht von
einem Menschen auf einen anderen oder von einem Menschen auf ein Objekt erleichtert.
Oft wird die Macht der F-Rune in der Mythologie als überirdischer Schein
über Grabhügeln und Grabstätten, oder sogar als feuriger Ring
dargestellt.
Schlüsselwörter:
· Bewegliche kraft
· Energie, Fruchtbarkeit
· Erschaffung / Zerstörung
· (Werden)
Magische Wirkung:
· Stärkung der psychischen Kräfte
· Medium für die Übertragung oder Projektion von Macht, aussendende
Rune
· Anziehung der Macht von Sonne, Mond und Sternen in die persönliche
Sphäre
· Förderung der persönlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung
· Vergrößerung des persönlichen finanziellen Reichtums
Runen-Halbmonat: 29.6. - 13.7.
Gottheiten: Freyr, Freyja
Geschlecht: weiblich
Farbe: feuerrot
Element: Feuer, Erde
2. Rune: Uruz - Auerochs Lautwert: U
Urgermanisch: uruz - Gotisch: úrus - Altenglisch: úr - Nordisch:
úr
Esoterische Interpretation des Namens: Auerochs - die ursprüngliche,
formgebende Kraft, die Auðumla der Edda, oder Sprühregen - die wichtigste
fruchtbarkeitsspendende Essenz
Ideographische Interpretation: Hörner der Auerochsen oder fallender Sprühregen
Die
U-Rune ist die Mutter jeder Manifestation. In der Mythologie wird sie als
die große Kuh Audhumla dargestellt, die einen eisigen Salzblock leckte
und damit den ersten Ur-Androgyn Buri formte. Sie war auch Nährmutter
des kosmischen Riesen Ymir. Audhumla selbst ging aus dem Rauhreif hervor,
der sich bildete, als das Weltenfeuer auf das Welteneis traf. Die Rune repräsentierte
auch die unsichtbare, substantielle Energie, aus welcher das kosmische Eis
und Audhumla selbst ursprünglich geformt wurden. Uruz ist die formverleihende
und musterbildende Kraft des Multiversums, die Quelle jener ordnenden Prinzipien,
welche zur endgültigen Entstehung der Welt führten. Sie stellt das
im Unsichtbaren verbleibende Muster der Materie dar (im Gegensatz zum nicht-materiellen
Charakter von Isa). Sie ist der kosmische Same, die dem Samen virile entsprechende
Kraft.
Diese Rune enthält das Mysterium der Bildung des Selbst, ein zusammengesetztes
Paradigma aller Aspekte des psychosomatischen Komplexes, ebenso wie das Multiversum
aus den verschiedenen Welten gebildet wird. Uruz stellt die formgebende Kraft
dar, nicht aber die Form selbst. Die U-Rune steht für die formverleihende
Macht, welche den Ursprung und die Bestimmung aller Dinge festlegt. Dieses
Mysterium kann anhand der Form dieser Rune demonstriert werden. Uruz ist die
nie versiegende Quelle archetypischer Muster. Auf Grund dieser formgebenden
Macht, repräsentiert Uruz Weisheit und Wissen, als strukturelles Muster
überlieferter Tradition, dessen Ursprung in der natürlichen Ordnung
liegt. Ebenso wie diese Rune die gesunde Gesellschaft darstellt (das heißt,
eine, die sich im Einklang mit der natürlichen Ordnung befindet), so
steht sie auch für gute physische Gesundheit im persönlichen Bereich.
Die U-Rune fördert kräftige und harmonische Organsysteme. Sie ist
die Rune der vitalen Kraft und Männlichkeit.
Schlüsselwörter:
· Bildung archetypischer Muster
· Organische Organisation
· Weisheit
· Gesundheit
· Vitalität
Magische Wirkung:
· Kreatives Erschaffen und Formen äußerer Umstände
durch Willenskraft und Inspiration
· Heilung und Aufrechterhaltung eines guten geistigen und körperlichen
gesundheitszustands
· Anziehung von glücklichen äußeren Umständen
· Induktion magnetischer Erdströme
· Bewußtwerdung der Kausalität
· Erkennen und Verstehen des Selbst
Runen-Halbmonat: 14.7. - 28.7.
Gottheiten: Thor
Geschlecht: männlich
Farbe: rot
Element: Erde
3. Rune: Thurisaz - Riese Lautwert: þ (th)
Urgermanisch: þurisaz - Gotisch: þiuþ - Altenglisch: thorn
- Nordisch: þurs
Esoterische Interpretation des Namens: Ása-Thor, der Feind übel
gesinnter Kräfte
Ideographische Interpretation: Thors Hammer oder Dorn auf einem Zweig
Thurisaz
ist die zielgerichtete kosmische Kraft der Zerstörung und der Verteidigung,
die archetypische, instinktive, unbewusste Willenskraft. Die TH-Rune symbolisiert
Blitz und Donner und entspricht Mjöllnir, dem Hammer des Thorr. Diese
Waffe zerstört die Jötnar und beschützt Midhgardhr und Asgardhr.
In seiner Größe und brutalen Kraft ähnelt Thorr stark den
Riesen (Thursar) und bildet somit einen idealen Gegenpol zu ihrer Kraft. Die
Æsir sind ständig bemüht, ihre Reviere innerhalb des Multiversums
zu verteidigen und für diesen Zweck ist die Macht der TH-Rune unentbehrlich.
Die in diesem Aspekt von Thurisaz zum Ausdruck gebrachte Vorstellung ist identisch
mit jener des Hammer-Zeichens. Es ist die vorwärtsstürmende Kraft,
welche alle gegen die kosmische Ordnung gerichteten feindlichen Mächte
zerstört. Diese feindlichen Kräfte sind nicht moralisch "schlecht"
im christlich-jüdischen Sinn des Wortes, sondern nur von nachteiligem
Einfluss auf den tief verankerten, instinktiven Lebensdrang, der von den Æsir
und den Vanir veranschaulicht wird und in der Menschheit zum Ausdruck kommt.
Ebenso wie der Dorn die Rose beschützt, so schützt Mjöllnir
Midgardhr und Asgardhr. Die TH-Rune ist der Träger der Polarität
des Lebens und des Todes. Sie ist die höchste Macht, welche die potentielle
Energie zweier Extreme kinetischer Energie in einem Aktionsmuster assimiliert.
Thurisaz ist eine projektierbare Form angewandter Macht. Dies kann sich ganz
allgemein als Begrenzung und Lenkung verschiedener, paarweise auftretender
Energieformen auswirken, die in der Älteren Reihe in großer Anzahl
auftreten. Das heißt, jede Rune, die ihrem Wesen nach energiegeladen
ist, kann mit jeder Rune, die vorwiegend paradigmatischen Charakter hat, mit
Hilfe der Kraft der TH-Rune kombiniert und in eine reale Richtung gelenkt
werden. Thurisaz ist auch die Rune der Regenerierung und der Fruchtbarkeit.
Wie der Blitz den fruchtbringenden Regen einleitet, so überwindet die
TH-Rune Hindernisse und Barrieren, befruchtet und ermöglicht damit einen
Neubeginn. Der Thorn ist der Dorn des Erwachens, welcher die Macht des svefnthorn
(Schlafhornes) bannt.
Diese Rune repräsentiert die kosmische Macht des Phallus.
Schlüsselwörter:
Kraft der Zerstörung / der Verteidigung
· Handlung, Aktion
· Ausgeübte Macht
· Lenkung von Polaritäten
· Regenerierung nach Zerstörung
· Magische Wirkung:
· Verteidigung (aktiv)
· Zerstörung von Feinden, Fluch
· Umsetzung des Willens in Handlung
· Vorbereitung für die Entwicklung in allen Bereichen
· Liebesmagie
· Wissen um die Getrenntheit und Einheit aller Dinge
Runen-Halbmonat: 29.7. - 12.8.
Gottheiten: Thor
Geschlecht: männlich
Farbe: rot
Element: Feuer
4. Rune: Ansuz - Asen-Gott Lautwert: A
Urgermanisch: ansuz - Gotisch: ansus - Altenglisch: ós - Nordisch:
áss
Esoterische Interpretation des Namens: Odin von den Æsir
Ideographische Interpretation: der im Wind wehende Umhang Odins
Ansuz ist das Mysterium tremendum der Runenreihe. Die A-Rune spielte bei der
Erschaffung der Menschheit eine wesentliche Rolle. Sie verkörpert zwei
von mehreren geistigen Gaben, welche die Götter Ödhinn, Hoenir und
Lödhurr (drei Aspekte des Gottes Ödhinn) an Askr und Embla (den
ersten Mann und die erste Frau) verliehen. Diese Gaben bestanden aus önd
oder anda (Atem, Geist, lebendiges Prinzip) und ödhr (Inspiration, inspirierte
geistige Tätigkeit). Sie ist die Rune des Odhinn als Gott der Magie und
der Ekstase. Ansuz ist die Rune des Empfangens-Bewahrens / Umwandelns-Ausdruckens
von spiritueller Macht und göttlichem Wissen. Diese Kraft wird direkt
von den Æsir empfangen und in der Menschheit transformiert, um dann
gegenüber dem Multiversum wieder in Form magischer und religiöser
Handlungen zum Ausdruck gebracht zu werden. Diese Ökologie der Macht
geht Hand in Hand mit jener, welche durch Odhinns Einweihung in runische Weisheit
und deren Weitergabe an die Menschheit zum Ausdruck kommt. Die A-Rune verkörpert
das Medium, durch welches göttliches Wissen empfangen wird, den Träger
dieser Macht, und die Kraft selbst, die sich als ekstatischer Zustand manifestiert.
Diese Gleichheit von Träger und Inhalt kommt bei den Symbolen für
einen Zustand der Inspiration oder der Ekstase häufig vor. In der nordischen
Mythologie sind sowohl der poetische Met der Inspiration als auch das Gefäß,
welches ihn enthält, unter dem Namen Odhroerir (derjenige, der Inspiration
auslöst) bekannt. Ansuz ist die Ekstase, aus der ein großer Schatz
an Weisheit und Wissen hervorgeht. Die A-Rune ist die Rune des Wortes, des
Gesanges, der Dichtkunst und der magischen Beschwörung (galdr) als Träger
und Ausdrucksform magischer Kraft. Ansuz verkörpert die magische Kraft
der Vorfahren, etwas, das von einer Generation an die andere, entsprechend
der Abstammungslinie, weitergegeben wurde. Die alten germanischen Völker
wussten, daß sie "von ihren Göttern abstammten", wie
die Stammbaumforschungen ihrer Könige, Helden und Stammeshäuptlinge
zeigten. Die Verbindung zwischen göttlicher und menschlicher Macht war
für sie nicht unterbrochen. Dies ist auch für die Gegenwart nach
wie vor gültig. Durch die Macht dieser Rune kann die Verbindung zwischen
den Göttern der Vorfahren und ihren Völkern wieder bewusst gemacht
werden. Sie stellt ein ekstatisches Konzept dar, das die stabiler institutionelle
Kraft des Othala ergänzt.
Schlüsselwörter:
· Empfangen - Transformation - Ausdruck
· Träger und Inhalt zugleich
· Göttliches Wissen
· Insoiration
· Ekstase
· Wort - Lied
· Todesmysterien
Magische Wirkung:
· Steigerung sowohl der aktiven als auch der passiven magischen Kräfte,
der hellseherischen Fähigkeiten usw.
· Überzeugungskraft des sprachlichen Ausdrucks, Magnetismus, Macht
der Suggestion und Hypnose
· Erlangen von kreativer Weisheit, Inspiration, Ekstase und Kommunikation
mit dem Göttlichen
· Verbannung von Tod und Furcht durch das Wissen um Odin
Runen-Halbmonat: 13.8. - 28.8.
Gottheiten: Odin
Geschlecht: männlich
Farbe: indigo
Element: Luft
5. Rune: Raidho - Ritt, Wagen Lautwert: R
Urgermanisch: raiðo - Gotisch: raiða - Altenglisch: ráð
- Nordisch: reið
Esoterische Interpretation des Namens: Sonnenwagen. Thors Streitwagen
Ideographische Interpretation: ein Rad unter dem Streitwagen (aus dem Blickwinkel,
wenn die Rune um 90 Grad nach rechts gedreht wird), Hälfte des Sonnenrades
(siehe auch S-Rune)
Raidho stellt das kosmische Gesetz der rechtmäßigen und archetypischen
Ordnung im Multiversum dar. Dies wird durch natürliche Phänomene
wie z.B. den täglichen Weg der Sonne und den Kreislauf von Natur und
Menschheit zum Ausdruck gebracht. Raidho wurde zu einem Symbol für organisierte
Religion bzw. Ásatrú als alte Form der germanischen Religion.
Infolge ihrer inneren, unbewussten, instinktiven und heiligen Struktur war
in alten Zeiten die äußere religiöse Struktur in weit geringerem
Maß festgelegt. Diese innere Ordnung spiegelte sich in Einrichtungen,
die eine ausgewogene Mischung von Religion, Magie und Recht (Politik) darstellten.
Heute ist die R-Rune ein Symbol für die "UMkehr zum richtigen Pfad"
durch bewusste Bemühung des ásatrúarfólk, die Essenz
der ursprünglichen Ordnung zurückzugewinnen. Diese Rune repräsentiert
das richtige, ordnunsgemässe Durchschreiten des Einweihungswegs durch
die Neun Welten von Yggdrasil. Auch weiser Ratschlag und gerechtes Urteil
werde Raidho zugeschrieben. Einen weiteren wichtigen Aspekt des Mysteriums
der R-Rune stellt jener des Rituals dar, d.h. die nach kosmischen Gesetzen
vorgenommene Anordnung von Energie und Handlungsweise für einen bestimmten
Zweck. Die Betonung liegt dabei auf der korrekten Anordnung. Raidho ist die
nach den natürlichen Gesetzen erfolgende Kanalisierung der Kraft auf
dem richtigen Weg zum richtigen Ziel. Ein weiterer Aspekt sind auch Rhythmus
und Tanz - persönlicher Rhythmus und Einklang mit dem Rhythmus der Welt.
Schlüsselwörter:
· Rechtmäßiges Handeln und rechtmäßige Ordnung
· Gesetz des kosmischen Zyklus
· Religion - Magie
· Ritual
· Rhythmus
· Reise, Weg
Magische Wirkung:
· Fördert rituelle Fähigkeiten und Erfahrungen
· Zugang zu "innerer Führung"
· Stärkt das Bewusstsein für richtige und natürliche
Vorgänge
· Verschmelzung mit dem persönlichen Rhythmus und dem Weltrhythmus
· Erfahrung von Gerechtigkeit
Runen-Halbmonat: 29.8. - 12.9.
Gottheiten: Thor
Geschlecht: männlich
Farbe: rot
Element: Luft
6. Rune: Kaunaz - Fackel Lautwert: k
Urgermanisch: kaunaz oder kenaz - Gotisch: kusma (Schwellung) - Altenglisch:
cén - Nordisch: kaun (Geschwür)
Esoterische Interpretation des Namens: kontrolliertes Feuer, Verbrennung,
die gotischen und nordischen Namen sind von sekundärer Bedeutung - inneres
Feuer, Entzündung usw.
Ideographische Interpretation: Flamme der Fackel
Die K-Rune verkörpert das Mysterium der Regeneration durch Tod oder Opferung.
Sie ist die Rune des Feuers, d.h. des vom Menschen kontrollierten Feuers in
Form der Fackel. Rituell gesehen ist Kaunaz das Feuer der Schöpfung,
des Opfers, der Feuerstelle und der Esse - vom Menschen kontrolliertes und
einem bestimmten Zweck dienendes Feuer. Die Verbrennung als Begräbnisritual
erleichtert die Transformation der psychischen Aspekte des psychosomatischen
Komplexes in neue und regenerierte Formen und verhindert ihren Rückfall
in die Ausgangsform. Im Opferfeuer wird das Fleisch des Opfertiers gegart
und geheiligt und damit vorbereitet für den Genuss durch Götter
und Menschen. Das Feier wird stets als transformierende und regenerierende
Kraft angesehen. Kaunaz verkörpert die Fähigkeit und den Willen,
etwas hervorzubringen und zu erschaffen. Sie ist deshalb die Rune des Künstlers
und Handwerkers und ein Symbol für die technischen Aspekte der Magie.
Die kontrollierte Macht der Psyche wird mit der kontrollierten Energie der
Natur kombiniert und aus dieser Verbindung geht das Werk hervor. Die K-Rune
ist die "Rune des Menschen", die Rune der Menschheit. Sie repräsentiert
den großen Schatz an Fachwissen, d.h. Wissen in Kombination mit Fähigkeit.
Ein weiterer Aspekt ist die Erzeugung eines Dritten aus der Vereinigung von
Zweien. Gegensätze werden in einer ästhetischen Art und Weise zusammen
gefügt und das Ergebnis dieser Vereinigung im Sichtbaren manifestiert.
Die K-Rune ist die Rune menschlicher Leidenschaft, Lust und sexueller Liebe
in ihrer positiven Bedeutung. Hier liegt die emotionelle Wurzel der Kreativität
in allen Bereichen. Dieser Aspekt der Rune entspricht in vielem der Göttin
Freyja.
Kaunaz ist auch für das Konzept der Verwandtschaft (engl. kin) von Bedeutung,
besonders in Zuammenhang mit jenem Teil der Stammesüberlieferungen, der
eine Einheit der lebenden und toten Stammesmitglieder vertritt.
Schlüsselwörter:
· Kontrollierte Energie
· Fähigkeit
· Transformation
· Regeneration
· Schöpferischer Wille
· Sexuelles Verlangen
· Kreativität
Magische Wirkung:
· Förderung der Fähigkeiten auf allen Gebieten
· Kreative Inspiration
· Höhere Polarisierung als Medium
· Prozesse der Regenerierung, Heilung
· Liebe (besonders sexuelle Liebe)
Runen-Halbmonat: 13.9. - 27.9.
Gottheiten: Heimdall, Freyja
Geschlecht: weiblich
Farbe: rot, orange
Element: Feuer
7. Rune: Gebo - Geschenk Lautwert: G
Urgermanisch: gebo - Gotisch: giba - Altenglisch: gyfu - Nordisch: gipt
Esoterische Interpretation des Namens: das, was zwischen Göttern und
Menschen ausgetauscht wird
Ideographische Interpretation: das Überkreuzen zweier Balken beim Aufbau
einer Struktur, Wechselbeziehung zwischen zwei Kräften.
Gebo ist die Rune "Gottes", das heißt, die dem Ginnungagap
(magisch geladenes Nichts) vor der Schaffung der Welten innewohnende eminente,
unbewusste magische Kraft, das heilige Mysterium der Zweiheit in der Einheit
(oder Mehrerer in Einem). Diese Rune verkörpert den Schenkenden, den
Vorgang des Schenkens, das Geschenk und den Beschenkten, "das Subjekt,
Verb, direktes und indirektes Objekt des Multiversums. Sie beschreibt auch
einen Teil des Opfermysteriums als Geschenk der Götter an die Menschheit
(in letzter Konsequenz das Geschenk der Macht) mit dem Ziel, die Ökologie
der kosmischen Macht aufrechtzuerhalten. Durch die Macht dieser Rune werden
Menschen infolge eines Willensaktes zusammengefügt, um ein bestimmtes
Ziel zu erreichen.
Dieses Zeichen symbolisiert die den runischen Reihen zugrundeliegende Kraft,
das Gefolgssystem etc.
Die G-Rune weist vom Prinzip her einige Ähnlichkeiten mit der A-Rune
auf, da sie ebenfalls eine Rune der Ekstase darstellt. Sie repräsentiert
das Mysterium ekstatischer, magischer Macht, die vom vitki als göttliches
Wissen empfangen und bewahrt wird. Gebo steht auch für das Mystenum der
psychischen Vereinigung zweier Menschen (gewöhnlich von Mann und Frau)
oder mehrerer Menschen, um eine schöpferische Macht hervorzubringen,
welche die Summe ihrer Einzelkräfte übersteigt. Es ist die Rune
der sexuellen Magie. In altgermanischen Zeiten wurden sexuelle Magie besonders
zur Erlangung göttlichen Wissens und göttlicher Weisheit praktiziert.
Sigurdhr, der größte germanische Held, wurde von der valkyrja namens
Sigrdrifa (Brynhildr) in einer an Sexualsymbolismus reichen Szene (aus ihrer
Vereinigung geht ein Kind hervor) in die runische Weisheit eingeweiht. Gebo
ist die Rune der Liebe unter Geschwistern, die psychosexuelle Kraft, die zwischen
zwei Kraftpolen ausgetauscht wird - zwei menschlichen oder zwei göttlichen.
Im letzteren Fall steht Gebo für die sexuelle Lebenskraft, wie sie in
der Fruchtbarkeitsmagie und in schamanischen Praktiken Anwendung findet.
Schlüsselwörter:
· Magische Kraft
· Schenkender - Schenken - Geschenk - Beschenkter
· Ekstase
· Opfer
· Sexualmagie
Magische Wirkung:
· Sexualmagie
· Einweihung durch Sexualmagie
· Mystische Vereinigung
· Steigerung der magischen Kräfte
· Harmonie zwischen Geschwistern und Liebenden
· Magischer Einfluss im Reich der Götter und der Menschen
· Erlangung von Weisheit
Runen-Halbmonat: 29.9. - 12.10.
Gottheiten: Odin
Geschlecht: beide / neutral
Farbe: blau, gold
Element: Luft
8. Rune: Wunjo - Fröhlichkeit Lautwert: W
Urgermanisch: wunjo - Gotisch: winja (Weide) - Altenglisch: wynn - Nordisch:
vend
Esoterische Interpretation des Namens: Beziehung zwischen Wesen, die von der
gleichen Quelle abstammen
Ideographische Interpretation: Stammesfahne oder Wetterfahne
Die W-Rune stellt die tiefverwurzelte Anziehungskraft zwischen geistesverwandten
Wesen dar, das heißt, Wesen, die aus einer gemeinsamen Quelle stammen.
Diese werden in einem organischen Ganzen zusammengefügt, das in der Welt
der Menschen in Form der Clans und Stämme seinen Ausdruck findet. In
der Welt der alten Germanen war die Gesellschaft "stammesorientiert",
denn ein starker traditioneller Clan bot den wirkungsvollsten Schutz gegen
Eindringlinge von außen oder ein totalitäres System von innen.
Indem er der Ehre und der Integrität des Stammes den Vorrang einräumte,
war der Einzelne am besten imstande, seine Freiheit zu wahren.
Wunjo verkörpert das Mysterium des harmonischen Zusammenlebens verschiedener
verwandter Kräfte. Innerhalb der Stammesgemeinschaft stellt dies die
Quelle höchster Freude dar. Wenn alle Mitglieder des Stammes in harmonischer
Weise zusammenarbeiten, während sie synkretisch in ihre Umwelt integriert
sind, so herrscht ein wahrhaft heiliger Zustand. Die Macht der W Rune hilft
bei der Förderung von Kameradschaft und Wohlwollen zwischen Brüdern
und Schwestern und spielt damit eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung
von Gesellschaften und Gilden. Wunjo repräsentiert die Energie, die unterschiedliche
Kraftfelder vereint, und ist damit ein äußerst wertvolles Konzept
für die Runenmagie. Mit Hilfe dieser Energie ist dem vitki möglich,
mehrere Runen zu einer einzigen harmonischen Kraft zu vereinen, die auf ein
spezifisches Ziel ausgerichtet werden kann.
Schlüsselwörter:
· Harmonie
· Wohlbefinden
· Kameradschaft
· Bindung
Magische Wirkung:
· Stärkt Verbindung und Zusammengehörigkeit
· Beschwören von Kameradschaft und Harmonie
· Verhindert Entfremdung
· Glück und Wohlbefinden
· Bewusstwerdung der Verbindungen und Vielschichtigkeit der Beziehungen
zwischen allen Dingen
· Verbindung der Runen fpr spezifische Zwecke
Runen-Halbmonat: 13.10. - 27.10.
Gottheiten: Odin
Geschlecht: männlich
Farbe: gold
Element: Erde
9. Rune: Hagalaz - Hagel Lautwert: H
Urgermanisch: hagalaz - Gotisch: hagl - Altenglisch: hægl - Nordisch:
hagall
Esoterische Interpretation des Namens: Eis-Ei oder Ursame des kosmischen Lebens
und Musters
Ideographische Interpretation: Verbindung zweier aufrecht stehender Balken
(Reiche des Seins) durch einen schrägen Querbalken in Fachwerkbauweise
- nordische Form: Urmuster der Schneeflocke.
Hagalaz stellt das kosmische Eis-Ei dar, das die kristallisierte magische Macht und das kosmische Urmuster beinhaltet. Das Hagelkorn stellt ein Symbol für das brodelnde "Rauhreif-Ei" dar, das den Samen von Ymir enthält, dem Ur-Riesen des Rauhreifs. Ymir entstand aus der Kreuzung des Weltenfeuers von Muspellsheimr mit dem Welteneis von Niflheimr. Diese Rune verkörpert das vollständige potentielle Paradigma des Multiversums - das Ei der Manifestation. Die H-Rune verkörpert das Mysterium der Struktur der Welt und definiert die Urform des Multiversums. Die Schneeflocke formt sich selbst nach dem sechsfachen Muster des alten heiligen Zeichen : h :, welches später im Jüngeren Futhark das Zeichen : H : ersetzte. Hagalaz repräsentiert das vollendete Modell, das die potentielle Energie neutraler Macht im Multiversum enthält, die aus der dynamischen, schöpferischen und generativen Einheit von Feuer (Energie) und Eis (Antimaterie) entsteht. Die H-Rune beschreibt die ewige kosmische Harmonie. In der germanischen Religion und Mythologie stellt die Zahl neun die heiligste und geheimnisvollste aller Zahlen dar: Yggdrasill besteht aus neun Welten, Ödhinn hing neun Nächte lang auf jenem Baum um die Runen zu empfangen, der Gott Heimdallr wurde von neun Müttern geboren und so weiter. Es ist die Zahl der Vollendung, die zu einer Expansion von Macht und Produktivität führt. Hagalaz ist die Mutter der Runen, einerseits auf Grund ihres numerischen Wertes, andererseits wegen ihrer Form : h : (die tatsächlich die ursprüngliche Ausgangsform darstellen könnte). Aus der sechsteiligen Hagalaz können alle runischen Formen abgeleitet werden, wenn man sie in einer dreidimensionalen Figur anordnet. Die H-Rune steht für stetige Evolution innerhalb eines vorgegebenen Rahmens. Hagalaz ist das Zeichen des Schutzes und des Banns, da der vollendete und harmonische Charakter dieser Rune besondere Sicherheit mit sich bringt und dem Eindringen disharmonischer Elemente vorbeugt.
Schlüsselwörter:
· Kosmisches Muster, kosmischer Rahmen
· Vollendung
· Vereinigung (das kosmische Ei)
· Evolution (innerhalb eines Rahmens)
· Schutz
Magische Wirkung:
· Vollkommenheit und Gleichgewicht der Kräfte
· Mystische und göttliche Erfahrung und Wissen
· Operationen der Entwicklung und der Evolution
· Schutz
Runen-Halbmonat: 28.10. - 12.11.
Gottheiten: Hella, Holda
Geschlecht: weiblich
Farbe: grau
Element: Wasser
10. Rune: Nauthiz - Not Lautwert: N
Urgermanisch: nauðiz - Gotisch: nauþs - Altenglisch: nýd
- Nordisch: nauðr
Esoterische Interpretation des Namens: brennende Not und Rettung aus Elend
Ideographische Interpretation: Die Flutwelle und die Bugwelle wenden sich,
um das Notfeuer anzuzünden
Naudhiz ist die kosmische Kraft der Mächte, die das "Schicksal" der Menschheit und der Welt formen. Die N-Rune steht nicht für 0rlög selbst, sondern verkörpert eine kosmische Kraft, die zu seiner Bildung nötig ist, jene des Widerstandes. Es ist die Synthese einer innewohnenden These und Antithese, die in der gesamten Runenreihe zum Ausdruck kommt. Naudhiz ist ein Konzept mit zwei Seiten. Es steht für den Begriff des Elends, aber auch für die Erlösung aus diesem Elend. Die N-Rune steht für das selbst erzeugte Feuer, die brennende Not, entstanden durch Reibung und Widerstand gegen die Erfüllung der menschlichen Pflichten sowohl materieller wie auch spiritueller Natur. Naudhiz repräsentiert die vom Willen gelenkte Handlung, verbunden mit Wissen und Weisheit, die als eine Gegenkraft zu den negativen Kräften von Örlög fungieren kann. Guido von List stellt diese Rune unter ein Motto, welches diesen Aspekt der N-Rune sehr klar zum Ausdruck bringt: "Nutze dein Schicksal widerstrebe ihm nicht!" Naudhiz steht auch für das Konzept des In Erscheinung tretens. Den Ursprung dieses Gedankens stellte die Schöpfung der Nornir dar. Zu jenem Zeitpunkt wurde der Widerstand im Universum geboren, das Gesetz der Kausalität wurde auf den Plan gerufen und der Same der "Zerstörung" der Götterwelt wurde gesät. Dies darf nicht im Sinne irgendeines "moralisch schlechten" oder ähnlicher Konzepte gesehen werden. Die heiligen Nornir tragen auch zur Erhaltung des Multiversums bei, indem sie ständig Wasser aus der Quelle des Urdhr auf den Weitenbaum gießen, so dass er nicht verwelkt und stirbt. Infolge der dem Symbolismus dieses Zeichens innewohnenden sexuellen Elemente wurde die N-Rune zu einem machtvollen Werkzeug isländischer Liebesmagie. Sie hat auch eine stark beschützende Funktion - besonders auf spirituellen Gebiet.
Schlüsselwörter:
· Widerstand
· Leid
· Rettung aus brennender Not
· Sichtbare Manifestation
Magische Wirkung:
· Überwindung von Leid oder negativem Örlög
· Entwicklung magischer Willenskraft
· Entwicklung spiritueller Kräfte
· Willentlich gelenkter Einsatz der "Widerstandskraft", um
magische Ziele zu erreichen
· Plötzliche Inspiration
· Beseitigung von Hass und Streit
· Bedürfnis und Verlangen nach Ordnung
· Erkenntnis persönlicher Notwendigkeiten
· Schutz
· Liebesmagie - Eroberung eines geliebten Menschen
· Weissagung
Runen-Halbmonat: 13.11. - 27.11.
Gottheiten: Skuld
Geschlecht: weiblich
Farbe: schwarz
Element: Feuer
11. Rune: Isa - Eis Lautwert: I
Urgermanisch: isa - Gotisch: eis - Altenglisch: is - Nordisch: ís
Esoterische Interpretation des Namens: Urmaterie / Antimaterie
Ideographische Interpretation: Eiszapfen oder der Urstrom / die Urwelle des
Eises aus Niflheimr.
Isa ist jenes Welteneis, das aus Niflheimr fließt. Vereinigt mit dem
Feuer aus Muspellheimr, bildet sich daraus die "materielle Welt"
im üblichen Sinn (Miðgarðr). Isa kann in einigen Fällen
der prima materia anderer Philosophien gleichgesetzt werden. Die I-Rune stellt
die Anziehungskraft, Schwerkraft, Trägheit und Entropie im Multiversum
dar. In der Mythologie entspricht diese Runenkraft den Kräften der hrimþursar
(Eisriesen). Isa ist die Stille, das Fehlen jeglicher Schwingung – ein
Konzept der germanischen Kosmologie, das ebenso "metaphysisch" ist
wie das als "Geist" bezeichnete. Feuer und Eis sind diejenigen Kräfte,
die die Welt erschaffen, aber diese Kräfte sind es auch, die jeder Existenz
ein Ende bereiten werden. Infloge ihrer zentralisierenden und konzentrierenden
Wirkung ist Isa das Symbol des individuellen Ichs. Sie repräsentiert
eine Kraft, die das Ich während der belastenden Prüfungen des Einweihungsprozesses
zusammenhält, und stellt als solches eine Brücke zwischen den Welten
dar.
Schlüsselwörter:
· Welteneis
· Antimaterie
· Konzentration
· Ego
Magische Wirkung:
· Entwicklung von Konzentration und Willensstärke
· Kontrolle und Bann unerwünschter dynamischer Kräfte
· Integration des ichs innerhalb eines ausgeglichenen multiversellen
Systems
· Beherrschung und Kontrolle anderer Wesenheiten
Runen-Halbmonat: 28. 11. - 12. 12.
Gottheiten: Verdandi, Skadi, Rindr, Eisriesen
Geschlecht: weiblich
Farbe: weiß
Element: Wasser (Eis)
12. Rune: Jera - das (gute) Jahr, Ernte Lautwert: J
Urgermanisch: jera - Gotisch: jér - Altenglisch: gér - Nordisch:
ár
Esoterische Interpretation des Namens: Lebenszyklus, Sonnenzyklus
Ideographische Interpretation: die heilige Vermählung von Himmel und
Erde oder der dynamische Kreislauf von Sommer und Winter.
Jera verkörpert das universelle zyklische Muster von Werden, Vergehen
und neuem Werden, das sich auch durch die gesamte Runenreihe zieht. Jera ist
eine der beiden zentralen Runen des älteren Futhark. Sie beschreibt die
zyklische Natur des stets im Werden begriffenen Seins, das Geheimnis des allgegenwärtigen
Kreises.
Jera verkörpert das Mysterium des zwölfteiligen Zyklus des jährlichen
Sonnenumlaufs. Raiðo ist der tägliche Weg und die bahnbrechende Kraft
der Sonne, Jera ihr jährlicher Weg und Sowilo die Sonne selbst. Jera
stellt den Lohn für ehrenhaftes, rechtmäßiges und den Gesetzen
der Natur entsprechendes Verhalten in der Vergangenheit dar. Das ist nicht
im moralischen Sinn gemeint – hier geht es um Naturgesetze. Wenn der
Same richtig gesät ist, und das Glück (hamingja) ist mit dir, dann
wird die Ernte reichlich ausfallen. Es ist der Genuss der Früchte wohlüberlegter
Bemühungen zur Erreichung eines bewusst oder instinktiv gewählten
Ziels. Das hat sowohl für die Welt der sichtbaren Erscheinungen als auch
für das Reich der Götter Gültigkeit. Der kosmische Fruchtbarkeitsaspekt
dieser Rune weist auf Freyr und Freyja hin, die man um gute Ernte und Frieden
(til árs og friðjar) anruft. Der nordische Name ár vermittelt
die Assoziation mit dem Adler als Symbol des schnellen Fluges und der Sonne.
Schlüsselwörter:
· Entwicklung in zyklischer Form
· Zyklus des Sonnenjahres
· Belohnung
· Genuss der Früchte aufgewendeter Bemühungen
· Adler
Magische Wirkung:
· Fruchtbarkeit, Kreativität
· Frieden, Harmonie
· Erleuchtung
· Begreifen der zyklischen Natur des Multiversums
· Begreifen des Geheimnisses des allgegenwärtigen Kreislaufs
· Manifestation anderer Konzepte in der sichtbaren Welt
Runen-Halbmonat: 13. 12. - 27. 12.
Gottheiten: Freyr, Freyja, Baldur, Höðr
Geschlecht: beide
Farbe: grün
Element: Erde
13. Rune: Îhwaz - Eibe Lautwert: Î, EI,
IE
Urgermanisch: îhwaz, eihwaz - Gotisch: eihwas - Altenglisch: éoh
- Nordisch: ihvar (nur in Runeninschriften
Esoterische Interpretation des Namens: Baum des Lebens und des Todes - Weltbaum
Yggdrasil
Ideographische Interpretation: Stamm des Weltbaums, senkrechte Weltenachse.
Îhwaz repräsentiert die vertikale Achse der Welt, die der zentralen
Säule von Yggdrasil, dem kosmischen Baum, entspricht. Yggdrasil wurde
auf Kultplätzen meist durch eine Eibe symbolisiert, die wie der Weltbaum
in der Edda immergrün ist. Die Eibe heißt im Nordischen auch barraskr
(Nadelesche). Yggdrasil bedeutet "Pferd des Yggr" (=Odin) und bezieht
sich auf Odins Selbstopfer am Weltbaum, durch das er die Runen erlangt und
fähig wird, entlang der Weltachse durch alle Welten zu "reiten".
Îhwaz bezeichnet die Verbindung zwischen den Welten.
Diese Rune verkörpert das Mysterium von Leben und Tod und nimmt eine
mystische Verbindung der beiden vor. Die Eibe enthält ein Toxin, welches
das Zentralnervensystem beeinflusst und an heißen Tagen bei einem Menschen,
der sich unter ihr befindet, Halluzinationen auslösen kann. Dadurch kann
die Eibe schamanische Reisen unterstützen. Neben ihrer Verbindung mit
dem Tod ist die Eibe auch das Symbol des dauerhaften Lebens und der Ausdauer:
Sie wird bis zu 2000 Jahre alt. So ist Îhwaz die lebensspendende Kraft
und der Weg, sie zu erlangen. In der jüngeren Runenreihe wird sie auch
durch Ýr dargestellt, was "Eibe" oder auch "Bogen aus
Eibenholz" bedeutet. Dadurch besteht eine zusätzliche Verbindung
zum Gott des Bogens, Ullr, der die Jahreszeit des Jul regiert und ein Winter-
und Todesgott ist. Die Eibe stellt auch ein machtvolles Zeichen zum Schutz
und Bann dar. Noch heute gibt es in manchen Teilen Deutschlands das Sprichwort
"Vor den Eiben kann kein Zauber bleiben." Ein friesischer Runen-Talisman
aus Eibenholz aus der Zeit um 600 CE trägt die Inschrift: "Trage
diese Eibe immer bei dir. In ihr ist Kraft enthalten."
Schlüsselwörter:
· Senkrechte kosmische Achse
· Göttliche Einweihung
· Leben / Tod
· Ausdauer
· Schutz
Magische Wirkung:
· Einweihung in die Weisheit des Weltenbaums
· Begreifen des Mysteriums von Leben und Tod und Befreiung von der
Furcht vor dem Tod
· Förderung von geistiger Ausdauer und starker Willenskraft
· Spirituelle Kreativität und Vision
· Schutz vor zerstörerischen Kräften
· Allgemeine Stärkung der persönlichen Kräfte
· Kommunikation zwischen den verschiedenen Ebenen der Realität
- den Welten von Yggdrasil
· Erinnerung an frühere Formen der Existenz im Strom der Vorfahren
Runen-Halbmonat: 28. 12. - 12. 1.
Gottheiten: Odin, Ullr, Skadi
Geschlecht: männlich
Farbe: grün
Element: alle
14. Rune: Perthro - Würfelbecher (?), Geburt (?) Lautwert: P
Urgermanisch: perþro - Gotisch: pairþra - Altenglisch: peorð
Esoterische Interpretation des Namens: Weissagung mit dem Zweck, die "Urgesetze"
(Örlög) aufzuzeigen
Ideographische Interpretation: Würfelbecher - als Vorrichtung zum Werfen
des Loses
Perthro ist ein kultisches Symbol für die Wirkung der Kraft von Örlög
im gesamten Multiversum und für die Möglichkeiten, die Götter
und Menschen zur Erforschung dieser Wirkungen haben. Örlög wird
meist mit "Schicksal" übersetzt, hat aber nichts mit "Vorherbestimmung"
im christlichen Sinn zu tun, sondern bedeutet wörtlich "Ur-Schichten"
oder "Ur-Gesetze", die durch frühere oder vergangene Handlungsweisen
entstanden sind. Diese selbstverursachten Schichten aus vergangenen Taten
stellen die Gesetze dar, denen Götter und Menschen unterworfen sind.
Es sind nicht die unabänderlichen Gesetze der Natur, sondern eher jene,
welche die Gesetze der Wesenheiten aufgrund von Handlungen und Geschehnissen
der Vergangenheit bestimmen. Es ist dieses kosmische Prinzip, auf dem das
allgemeine germanische Gesetz aufgebaut ist. Die Perthro- Rune enthält
das Mysterium der nornischen Gesetze. Die Nornir sind die Medien, durch die
eine Handlung empfangen wird, um dann in eine projektierbare, im wesentlichen
aber unveränderte Form umgewandelt und in die Sphäre zurückgegeben
zu werden, aus der diese Handlung ursprünglich erhalten wurde. Perthro
ist die Rune der Zeit, und dieses Konzept kommt auch in den Nornir zum Ausdruck.
Ihre Namen sind Urðr (das Gewordene), Verdandi (das Werdende) und Skuld
(das werden wird). Die nornische Kraft definiert einen Aspekt des Gesetzes
von Ursache und Wirkung im Multiversum, und ein Verständnis dieser Kraft
ist daher unerlässlich für die Ausübung der Runenkunst. Eine
zentrale Aussage der Perthro- Rune ist das Mysterium der Weissagung und der
Gleichzeitigkeit. Die Kunst der Weissagung ermöglicht es dem Runenwissenden,
persönliches oder jenseits des Persönlichen liegendes Örlög
zu erkennen und sich der Skuld- Kraft und des Einflusses von Urðr und
Verdandi bewusst zu werden. Perthro stellt den großen Plan des kosmischen
Werdens dar, was im Sinne der erwähnten Prinzipien verstanden werden
sollte. Sie wird als ständige Veränderung wahrgenommen - die ewig
die gleiche bleibt.
Schlüsselwörter:
· Örlög
· Zeit
· Urðr - Verdandi - Skuld
· Ursache und Wirkung
· Evolution - Veränderung
Magische Wirkung:
·
Erkennen des Örlög
· Weissagung
· Einbringen von runischen Kräften in den Strom nornischer Gesetze
· Realisierung von Vorstellungen oder Ereignissen als magischer Akt
Runen-Halbmonat: 13. 1. - 27. 1.
Gottheiten: Nerthus, Frigg, Mimir
Geschlecht: weiblich
Farbe: silber
Element: Wasser
15. Rune: Algiz - Schutz Lautwert: Z, -S
Urgermanisch: algiz oder elhaz (Elch) - Gotisch: algis (Schwan) - Altenglisch:
eolh (Elch) - Nordisch: ihvar (nur in Runeninschriften)
Esoterische Interpretation des Namens: Schutzmacht, Valkyren
Ideographische Interpretation: Hörner des Elchs, Zweige des Baumes, fliegender
Schwan, gespreizte Finger einer Hand
Die urgermanische Form algiz bedeutet "Schutz", das Runenzeichen
leitet sich möglicherweise vom ursprünglichsten Zeichen für
Schutz und Verteidigung, der Hand mit gespreizten Fingern, ab. Mit Schutz
und der Bedeutung "Schwan" (gotisch) hängt auch die Verbindung
der Runen mit den Valkyren zusammen, die beschützende und lebensspendende
Wesen sind und oft in einem magischen Umhang aus Schwanenfedern durch die
Lüfte fliegen. Als Schutz und Sieg bringendes Zeichen wurde Algiz oft
in Speere geritzt.
Der alternative Runenname Elhaz bezieht sich auf die vier kosmischen Hirsche,
die ständig an den Nadeln des Weltbaums nagen. Die Eibe tritt in der
nordischen Bezeichnung der Rune als ihvar (Eibe oder Eibenbogen) hervor, die
spätere Form dafür ist ýr in der gestürzten Form der
Algiz- Rune mit dem Lautwert -R.
Auch das gotische Wort alhs (Heiligtum) wird mit dieser Rune in Verbindung
gebracht. In der Algiz- Rune ist ein Aspekt der Schutzmacht der göttlichen
Zwillinge enthalten, deren von Tacitus überlieferter Name Alcis mit dem
Runennamen verwandt scheint. Algiz ist jene Kraft im Leben und Geist des Menschen,
die ihn in Richtung der Welt der Æsir streben lässt. Es ist die
Rune der Verbindung zwischen den Göttern und der Menschheit, die Kraft,
die das Bewusstsein des Menschen zum Reich der Götter zieht, und steht
daher in Verbindung mit der "Regenbogenbrücke" Bifröst,
die Asgard und Midgard verbindet und dem Bewusstsein die Reise durch die Welten
ermöglicht. Dabei ist Algiz eher der gewundene Pfad der Zweige und Wurzeln
als der gerade des Stammes, den die Rune Ihwaz verkörpert. Algiz steht
auch für die Kraft Heimdalls, der Asgard bewacht.
Algiz ist eine Rune des Bewusstseins und der Bewusstheit (eine hugrún).
Schlüsselwörter:
· Schutz - Einfriedung
· Leben
· Bifröst
· Pfad der Zweige und Wurzeln
· Verbindung zwischen Göttern und Menschen
Magische Wirkung:
· Schutz, Verteidigung
· Mystische und religiöse Kommunikation mit nichtmenschlichen,
empfänglichen Wesen
· Kommunikation mit anderen Welten, besonders mit Asgard und den kosmischen
Quellen von Urd, Mimir und Hvergelmir
· Stärkung der hamingja (magische Kraft und "Glück")
und der Lebenskraft
Runen-Halbmonat: 28. 1. - 11. 2.
Gottheiten: Heimdall, Valkyren
Geschlecht: beide
Farbe: Regenbogen
Element: Luft
16. Rune: Sowilo - Sonne Lautwert: S
Urgermanisch: sowilo - Gotisch: saugil - Altenglisch: sigil - Nordisch: sól
Esoterische Interpretation des Namens: das heilige Sonnenrad
Ideographische Interpretation: ein Teil des dynamischen Sonnenrades oder ein
Donnerkeil
Sowilo verkörpert die archetypische Sonne und ihr Licht, symbolisch in
Form des Sonnenrades ausgedrückt. Das Konzept des sich drehenden Rades
(nordisch hvel) ist für das Verständnis der Rune wesentlich. Es
wird durch die Räder des Sonnenwagens und durch die Scheibe, die durch
ihre Drehung entsteht, dargestellt. Dieser Symbolkomplex steht im Zentrum
des alten, hyperboräischen Sonnenkultes der Bronzezeit. Im Nordischen
gibt es für die Sonne zwei Namen, das nordische Wort sól und das
altgermanische sunna, das als Kultwort erhalten blieb: "Unter den Menschen
heißt sie Sól und Sunna unter den Göttern" (Edda, Alvismal).
Sól steht für das Phänomen, Sunna für die geistige Idee,
die den Konzept innewohnende spirituelle Macht. Beide Wörter sind weiblich.
Das Mysterium der Sonne ist in der Erfahrung der nördlichen Völker,
die sie vor allem als Lebensspenderin erleben, im wesentlichen weiblicher
Natur. Es ist aber auch eng mit dem Schicksal Baldurs verbunden, des sonnenhaft
lichten Gottes, der mit den Sonnenwenden stirbt und wiedergeboren wird. Als
Baldur-Rune kann Sowilo daher auch männlich sein. Sowilo ist der magische
Wille, der m gesamten Multiversum zum Ausdruck kommt. Im einzelnen Menschen
drückt er sich in den "spirituellen Rädern" (hvel, Chakren).
Die Rune stellt die eminente spirituelle Kraft dar, die den Runenkundigen
durch die Pfade von Yggdrasil leitet. Sie verkörpert einen Aspekt des
Zieles und auch den aktiven, entschlossen verfolgten Weg zu ihm. Sie kann
als eine dynamische Verbindung zwischen Himmel und Erde (Asgard und Midgard)
dienen. Sowilo ist auch die Rune des germanischen Ehrenkodex, ein höchst
wirkungsvoller Weg zu ekstatischen Erfahrungen. In späterer Zeit wurde
diese Rune als "Siegrune" gedeutet. Tatsächlich stellt sie
zwar eine machtvolle, willensgelenkte Kraft dar, die zu Erfolgen und Siegen
verhelfen kann, die Interpretation als "Siegrune" beruht aber auf
einem Missverständnis des altenglischen Runennamens sigil, der wie sowilo
ebenfalls "Sonne" und nicht "Sieg" bedeutet. Die wirkliche
sigrún der nordischen Tradition ist Teiwaz.
Schlüsselwörter:
· Sonnenrad
· Magischer Wille
· Führung
· Weg und Ziel
· Erfolg
· Ehre
Magische Wirkung:
· Stärkung der psychphysischen Zentren (hvel)
· Stärkung des spirituellen Willens
· Führung entlang des Pfades, "Erleuchtung"
· Sieg und Erfolg durch den Willen des einzelnen
Runen-Halbmonat: 12. 2. - 26. 2.
Gottheiten: Baldur
Geschlecht: männlich
Farbe: gold
Element: Luft
17. Rune: Teiwaz - Gott Tyr Lautwert: T
Urgermanisch: teiwaz - Gotisch: teiws - Altenglisch: tir - Nordisch: týr
Esoterische Interpretation des Namens: der Himmelsgott
Ideographische Interpretation: die Himmelswölbung, die von der großen
Säule gestützt wird, und manchmal die Spitze des Speers
Die Teiwaz- Rune verkörpert die Kraft des Gottes Ása- Týr
(Teiwaz), der für Recht und Gesetz sowie für das Thing sorgt. Sein
transzendenter (über sich hinausweisender) Charakter zeigt sich in der
nordischen Überlieferung im Mythos von der Fesselung des Fenriswolfs,
wobei Týr seine Hand opfert, um die Götter vor der Zerstörung
zu bewahren. Teiwaz ist damit die Rune der Selbstaufopferung und der Könige
und großen Volksführer.
Das Wort teiwaz oder nordisch týr ist die germanische Bezeichnung für
einen einzelnen Gott (zum Unterschied von goþ, "Gott", für
die Ganzheit des Göttlichen) und kehrt in zahlreichen indogermanischen
Namen für den Himmelsgott wieder. Teiwaz/Tyr ist im wesentlichen die
Kraft der göttlichen Ordnung im Multiversum und besonders in der Menschenwelt,
in Gesetz und Rechtsfindung. Insofern ist Tyr auch ein Kriegsgott, denn auch
kriegerische Konflikte wurden in der germanischen Kultur als Rechtskonflikte
angesehen, wie das nordische Wort vápnadómr ("Rechtsprechung
durch Waffen") ausdrückt. Man glaubte, daß diejenige Partei
von den Göttern begünstigt wird, die durch rechtmäßiges
und ehrenhaftes Verhalten in der Vergangenheit mehr Heil besaß.
Die göttliche Ordnung des Multiversums drückt sich in der Form der
Teiwaz-Rune als Abbild der Weltsäule aus, die Himmel und Erde zugleich
trennt und verbindet. Teiwaz wird auch durch die Irminsul der Sachsen dargestellt,
die auf den Externsteinen aufgestellt war.
Schlüsselwörter:
· Gerechtigkeit
· Ordnung der Welt
· Sieg (in Entsprechung mit dem Gesetz)
· Selbstaufopferung
· Spirituelle Disziplin
Magische Wirkung:
· Erreichen von gerechtem Sieg und Erfolg
· Aufbau spiritueller Willensstärke
· entwickelt die Macht positiver Selbstaufopferung
· entwickelt die "Kraft des Glaubens" in Magie und Religion
Runen-Halbmonat: 27. 2. - 13. 3.
Gottheit: Tyr
Geschlecht: männlich
Farbe: rot
Element: Luft
18. Rune: Berkano - Birke Lautwert: B
Urgermanisch: berkano - Gotisch: baírkan - Altenglisch: beorc - Nordisch:
bjarkan
Esoterische Interpretation des Namens: die Gottheit der Birke als Erdenmutter
Ideographische Interpretation: die Brüste der Erdenmutter
Die Berkano- Rune enthält das komplexe Mysterium der großen Mutter.
In ihrem kosmologischen Aspekt ist sie die Mutter jeglicher Manifestation
und verkörpert das Mysterium kosmischer und menschlicher Geburt und Wiedergeburt.
Berkano herrscht über die vier zentralen menschlichen "Übergangsrituale"
- Geburt, Eintritt in die Welt der Erwachsenen, Hochzeit und Tod. Die Göttin
der Birke verkörpert den aufblühenden, aber auch den dunklen Aspekt
der großen Mutter, die "schreckliche Mutter", die über
den Tod regiert. Im Ritual der Erdmutter Nerthus, wie es Tacitus beschreibt,
bringt die in einem Wagen über die Felder ziehende Göttin Segen,
Frieden und Fruchtbarkeit, nimmt am Ende aber Menschenopfer entgegen, die
in ihrem heiligen See ertränkt werden - wobei allerdings unklar ist,
ob es sich um ein faktisches Opfer oder um eine symbolische Beschreibung von
Tod und Wiedergeburt handelt, für die oft, besonders in germanischen
und keltischen Mythen, ein geheimnisvoller See steht (unser Wort Seele kommt
von See). In der Berkano-Rune ist alles Werden und Sein enthalten. Sie ist
die Einheit des Kreislaufs von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt, die Einheit
der Evolution und das "Mysterium des Augenblicks", durch das sich
diese Einheit des Seins in ein Werden entfaltet. Als Rune der Muttergottheit
ist Berkano eine erhaltende, schützende und daher auch verbergende Macht.
Sie herrscht über alle schützenden und verbergenden Orte wie Höhlen,
Behausungen und Einweihungsorte.
Schlüsselwörter:
· Erdenmutter
· Geburt
· Kreislauf von Geburt- Leben- Tod
· Festhalten
· Augenblick
Magische Wirkung:
· Wiedergeburt im Geist
· stärkt die Macht des Geheimen
· Rituale des Schutzes und der Verheimlichung
· Festhalten und Bewahrung anderer Kräfte
· Bewusstwerden der Einheit des Augenblicks als Mutter aller Dinge
· Verwirklichung von Ideen durch den schöpferischen Prozess
Runen-Halbmonat: 14. 3. - 29. 3.
Gottheiten: Berta, Holda
Geschlecht: weiblich
Farbe: grün
Element: Erde
19. Rune: Ehwaz - Pferd Lautwert: E
Urgermanisch: ehwaz oder ehwo (zwei Pferde) - Gotisch: aíhws - Altenglisch:
eh - Nordisch: íor Pferd (nur in Zusammenhang mit kultischen Handlungen,
nicht im Jüngeren Futhark
Esoterische Interpretation des Namens: die Zwillingsgötter oder Helden
in ihrem Pferd-Aspekt
Ideographische Interpretation: zwei aufrechte, miteinander verbundene Stäbe
als Symbol der göttlichen Zwillinge, aber auch als Zeichen zweier einander
zugewandter Pferde
Ehwaz repräsentiert die Macht der göttlichen Zwillinge. Diese Machtstruktur
spiegelt eine duale Form germanischen Königtums wieder. Diese Führer
wurden in der Mythologie oft als Pferde dargestellt - z.B. Hengest und Horsa.
Auch der Name der Zwillingsgottheit im indischen Veda, Asvinau, bedeutet wörtlich
"zwei Pferde". Hier wird eher die harmonische Beziehung zwischen
den beiden Kräften der dualen Machtstruktur betont als die defensive
und nach außen gerichtete Kraft, die von der Z-Rune repräsentiert
wird. All das weist auf die enge Beziehung zwischen Mensch und Pferd hin,
die bei den Indoeuropäern im allgemeinen und de germanischen Völkern
im besonderen erkennbar ist. Das Pferd stellt eine Quelle göttlichen
Wissens dar, und Pferde wurden oft von den alten germanischen Priestern in
Weissagungsriten befragt. Die spirituelle Qualität von Ehwaz steht in
engem Zusammenhang mit der Menschheit (Mannaz). Im Altnordischen heißt
es: marr er manns fylgja (Das Pferd ist der Doppelgänger oder Schutzgeist
des Mannes). Die Fylgja ist in einer Familie erblich, also der Geist der Ahnen,
der den Nachkommen ihre ererbte Identität gibt und sie beschützt.
Die Binderune von Ehwaz und Mannaz ist "em" - "ich bin".
Die Ehwaz- Rune erleichtert das Reisen zwischen den einzelnen Welten von Yggdrasil.
Der Runenkundige kann mit ihrer Macht durch die Reiche der Realität "reiten".
Ehwaz ist die Rune von Odins achtfüßigem Ross Sleipnir. Oft findet
man auf runischen Amuletten das Bildnis eines auf einem Pferd reitenden Mannes
als symbolische Form integrierten Schutzes unter der Schirmherrschaft von
Odin. Dies ist der jenseitige Aspekt von Ehwaz, das Pferd steht jedoch auch
mit Fruchtbarkeitsmagie in Verbindung und damit mit Freyr, dem Gott der Fruchtbarkeit,
des Friedens und der Sinnlichkeit. Dies ist die Rune des Vertrauens und der
Loyalität. Die spirituelle Beziehung zwischen einem Reiter und seinem
Pferd ist ei gutes Beispiel für die Kraft dieser Rune. In diesem Geheimnis
ist ein großes Potential an Macht enthalten. Ehwaz ist die Kombination
zweier gleichgestimmter, aber in Form einer Dualität ausgedrückter
Kräfte oder Wesenheiten (wie Mann/Pferd, Pferd/Kutsche, Mann/ Fylgja,
Körper/Seele), die in harmonischer Weise auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.
Die Ehwaz- Rune stellt das Symbol der idealen Mann-Frau-Beziehung und somit
das Mysterium der mit dem Gesetz im Einklang stehenden Ehe dar.
Schlüsselwörter:
· Harmonische Dualität
· Instrument für Reisen durch das Jenseits
· Fruchtbarkeit
· Vertrauen, Loyalität
· Rechtmäßige Ehe
Magische Wirkung:
· Hilfe bei "Seelenwanderungen" durch die Welten und Projektionen
der "Seele" in Midgard
· Bewusstmachung der fundamentalen Einheit des psychosomatischen Komplexes
· Verleiht Vertrauen und Loyalität
· Quelle prophetischer Weisheit
· Projektion magischer Macht
· Fördert ganz allgemein die Schnelligkeit
Runen-Halbmonat: 30. 3. - 13. 4.
Gottheit: Freyr und Freyja
Geschlecht: beide
Farbe: grün
Element: Erde
20. Rune: Mannaz - Mensch Lautwert: M
Urgermanisch: mannaz - Gotisch: manna - Altenglisch: mann - Nordisch: maðr
Esoterische Interpretation des Namens: der göttliche Vorfahr und Himmelsvater
Ideographische Interpretation: Vermählung zwischen Himmel und Erde
Mannaz ist das Mysterium der göttlichen (archetypischen) Struktur in
jedem Einzelwesen und in der Menschheit im allgemeinen. Diese Struktur wird
vom Gott heimdallr als Urahn der Menschheit verliehen. Eine Schilderung davon
finden wir in der "Rigsthula" der Älteren Edda. Sie beschreibt,
wie Rigr (Heimdallr) die archetypischen Repräsentanten der drei sozialen
Funktionen in der Welt der Menschen hervorbringt - den Ernährer, den
Krieger und den Priester/König - welche die drei Ebenen der göttlichen
Struktur widerspiegeln. Heimdallr ist eigentlich Odin in einer seiner vielen
Ausdrucksformen, der des Ur- und Allvaters (Alfaðir). Die Mannaz- Rune
stellt das Symbol Heimdalls als genetische Verbindung zwischen Göttern
und Menschen und als Wächter von Bifröst dar. Dies ist die Rune,
die die Entstehung der germanischen Völker aus der göttlichen Ordnung
und die göttliche Abstammung der Menschen beschreibt. Sie repräsentiert
das Mysterium der Menschheit und die runische Struktur in der menschlichen
Seele. Mannaz ist die Macht menschlicher Intelligenz, Vernunft, Erinnerung
und Tradition. Es ist das Runenzeichen des "vollendeten Menschen",
des vollkommenen menschlichen Wesens, des Eingeweihten in einen der vielen
Kulte des "Alten Glaubens". Mannaz stellt ein androgynes, archetypisches
Wesen dar, und ihr Mysterium verkörpert somit die Macht des Androgynen
in der psychologischen Sphäre der Menschheit. Die M-Rune repräsentiert
die Einrichtung der Blutsbrüderschaft.
Schlüsselwörter:
· Göttliche Struktur
· Göttliche Verbindung
· Intelligenz
· Androgyn
· Eingeweihter
Magische Wirkung:
· Bewusstmachung der göttlichen Struktur der Menschheit
· Förderung der Intelligenz, des Gedächtnisses und ganz allgemein
der geistigen Kräfte
· Ausgleich der "Pole der Persönlichkeit"
· Öffnen des "geistigen Auges" (hugauga)
Runen-Halbmonat: 14. 4. - 28. 4.
Gottheiten: Heimdall
Geschlecht: männlich
Farbe: blau
Element: Luft
21. Rune: Laguz - Gewässer Lautwert: I
Urgermanisch: laguz oder laukaz (Lauch) - Gotisch: lagus - Altenglisch: lagu
- Nordisch: lögr
Esoterische Interpretation des Namens: Lebensenergie und organisches Wachstum
Ideographische Interpretation: eine Welle oder der schnellwüchsige grüne
Teil der Lauchpflanze
Laguz ist die Grundenergie des Lebens im Multiversum und die geheime Quelle
allen organischen Lebens. Laguz ist das Gesetz (lög) des Lebens, innerhalb
des ganzen Multiversums ebenso wie in Midhgardhr. Es sind dies die Schichten
(Gesetze) vergangener kosmischer und menschlicher Tat, welche die zukünftige
Entwicklung der Lebensformen bestimmen. Die L-Rune steht für die Ur-Wasser
in Niflheimr, die das latente, ungeformte Potential des Lebens enthalten,
welches zu Eis gefestigt und durch die Feuer von Muspellsheimr mit Energie
geladen werden muß, bevor es als manifestiertes Muster verwirklicht
werden kann. Die L-Rune stellt eine machtvolle Rune der Einweihung dar - besonders
der Einweihung in das Leben. In heidnischen Zeiten besprengte man ein neugeborenes
Kind mit Wasser und gab ihm seinen Namen, sobald es sich als des Lebens würdig
erwiesen hatte. Dadurch wurde das Kind wieder in die Lebenskraft seines Stammes
integriert. Das Mysterium des vatni ausa (das rituelle Besprengen mit Wasser)
geht auf vorchristliche Zeiten zurück und ist ein Hauptbestandteil der
alten nordischen Lehre der Wiedergeburt - aptrburdhr. Die Funktionen der U-Rune
und der L-Rune sind auf unterschiedlichen Ebenen eng miteinander verwandt.
Laguz beinhaltet auch den Ritus der Überquerung des Wassers am Ende des
Lebens - der Überquerung des Ur-Wassers, um ins Totenreich zu gelangen.
In diesem Zusammenhang sind die Mythen um Odhinn als Fährmann der Seele
von. Bedeutung. Auch die Schiffsbegräbnisse der Wikinger und die dadurch
angedeutete symbolische Überquerung des Wassers weisen auf diesen Glauben
hin. Die runische Form laukaz bedeutet auch "Lauch", was im altnordischen
Runennamen laukr zum Ausdruck kommt. Der Lauch ist ein Symbol für organisches
Wachstum, phallische Macht (Tugend), und Fruchtbarkeit im physischen wie im
spirituellen Bereich. Laukaz herrscht über die Lehre der Kräutermagie,
die im Altnordischen als lyf und im Altenglischen als lacnunga bezeichnet
wurde. Das itrlaukr (glänzender Lauch) gab man oft einem jungen Mann,
sobald er sich als Krieger erwiesen hatte.
Schlüsselwörter:
·
Leben
· Ur-Wasser
· Durchgang zu Beginn und Ende des Lebens
· Wachstum
· Vitale Kraft
Magische Wirkung:
· Führung bei schwierigen Einweihungsprüfungen
· Gesteigerte Vitalität und Lebenskraft
· Konzentration ungeformter magischer Kraft zur Strukturierung und
Formung durch den menschlichen Willen
· Stärkung des "Magnetismus"
· Entwicklung "hellseherischer Fähigkeiten"
Runen-Halbmonat: 29. 4. - 13. 5.
Gottheit: Nerthus
Geschlecht: weiblich
Farbe: meergrün
Element: Wasser
22. Rune: Ingwaz - Gott Ing / Yngvi-Freyr Lautwert:
NG
Urgermanisch: ingwaz - Gotisch: enguz oder iggws - Altenglisch: ing - Nordisch:
ing oder yngvi
Esoterische Interpretation des Namens: der Erdgott
Ideographische Interpretation: männliche Genitalien
Man nimmt an, dass Ingwaz der Name eines alten germanischen Erdgottes ist,
der zusammen mit der Erdmutter Nerthus wirkte. Ihr Kult war in alter Zeit
besonders in den Nordseegebieten stark ausgeprägt. In einem altenglischen
Runengedicht wird berichtet: Ing wurde zuerst unter den Ostdänen von
einem menschlichen Auge erblickt, bis er gegen Osten ging über das Meer,
sein Wagen folgte ihm nach: so nannten die Heardings den Helden. Der hier
erwähnte Wagen ist identisch mit dem, der im Nerthus-Kult verwendet wurde.
Ingwaz stellt den Gemahl der Erdmutter dar und den ihr zur Seite stehenden
Priester. Dieser Kult spielte bei den Völkern der Nordsee eine so bedeutende
Rolle, dass sie oft als Ingvaeones (Jene des Ing) bezeichnet wurden.
Der vanische Gott Freyr ist auch unter dem Namen Yngvi bekannt und spielt
auch bei den Fruchtbarkeitsritualen eine Rolle, indem er in einem Wagen in
rituellen Prozessionen fährt. Es scheint, dass Freyr ganz allgemein im
Norden die Rolle und den Namen des Ing an sich gerissen hat. Im Ing-Nerthus
Kult verzehrt das feminine Element das maskuline, um die verbrauchten Energien
wieder zu ersetzen, die nötig waren, um dem Land und dem Volk Fruchtbarkeit
zu spenden. Kennzeichnend ist in diesem Zusammenhang die Sage, in der Freyr
sein Schwert opfert, um Skadhi zu gewinnen oder auch der Name Gelding (kastriertes
Pferd) für Odhinn. Das männliche Element repräsentiert die
sich immer wieder selbst erneuernde "kosmische Nahrung" in Form
von potentieller Energie, die den Winter hindurch von der Göttin einbehalten
wird, um sie dann im Frühling plötzlich und mit gewaltiger Kraft
in einem orgiastischen Prozessions-Ritual wieder freizusetzen. Die NG- Rune
stellt einen Vorrat potentieller Energie dar, die erst durch einen Prozess
des Wachstums und der Reifung hindurchgehen muss, um an Kraft zu gewinnen.
Dieses Prinzip hat für alle Ebenen des Multiversums Gültigkeit,
und dieser Rune wohnt große Kraft inne, denn jede Macht muss eine solche
geschützte Periode des Wachstums und der Reifung durchmachen, ehe sie
in ihrer potentesten Form in Erscheinung treten kann. In dieser Rune ist eines
der größten Geheimnisse nordischer Sexualmagie verkörpert.
Schlüsselwörter:
· Potentielle Energie
· Wachstums- und Reifungsperiode
· "Schwangerschaft"
Magische Wirkung:
· Speicherung und Transformation von Kraft für rituelle Zwecke
· Fruchtbarkeitsrituale
· Passive Meditation und Konzentration von Energie und Gedanken
· Plötzliche Freisetzung von Energie
Runen-Halbmonat: 14. 5. - 28. 5.
Gottheiten: Freyr, Freyja
Geschlecht: beide
Farbe: grün
Element: Wasser/Erde
23. Rune: Dagaz - Tag Lautwert: D und ð
Urgermanisch: dagaz - Gotisch: dags - Altenglisch: dæg - Nordisch: dagr
Esoterische Interpretation des Namens: das Licht des Tages
Ideographische Interpretation: der Ausgleich zwischen Tag und Nacht
Dagaz ist das Licht des Tages, wie es zum Zeitpunkt des Sonnenaufganges und
Sonnenunterganges wahrgenommen wird - in der Morgen- und Abenddämmerung.
Es ist die Rune des vollkommenen Erwachens. Sigrdrifa bringt dieses Mysterium
zum Ausdruck, als sie aus ihrem Zauberschlaf vom Helden Sigurdhr erweckt wird
("dem Wächter des Sieges") und die beschwörenden Verse
spricht:
Heil
dir Tag, Heil euch Tagessöhnen,
Heil dir Nacht und Niftel:
Mit unzorn'gen Augen schaut auf uns
Und gebt uns Sitzenden Sieg.
Heil Euch, Asen, heil euch Asinnen,
Heil dir, fruchtbares Feld!
Wort und Weisheit gewährt uns edeln zwei'n
Und immer heilende Hände!
(Poetische Edda "Sigrdifumal" Strophe 2-3)
Die D-Rune repräsentiert das rituelle Feuer der Feuerstelle und das mystische Licht, das der vitki bei magischen Handlungen wahrnimmt. Dagaz verkörpert die Synthese der Kraft von Tag und Nacht durch die Konzepte der Morgen- und Abenddämmerung. Dies kommt in den himmlischen Phänomenen des Morgen- und Abendsterns zum Ausdruck - Symbole der göttlichen Zwillinge. Dagaz ist die Rune der Polarität und des "odhinischen Paradoxons", welches das zentrale Geheimnis des odhinischen Kults darstellt. Es ist in der paradoxen Natur des Gottes Odhinn selbst enthalten und kann am ehesten mit dem Begriff des "mystischen Augenblicks" erklärt werden, dem Augenblick, der im Wirbel polarisierter Konzepte gesucht und gefunden wird. Diese Konzepte werden durch eine geheime "Alchemie" miteinander verschmolzen, durch die aus zwei Extremen eins wird. Dagaz ist der Ort und Zeitpunkt, in dem aus Dunkelheit und Licht, Freude und Schmerz, Leben und Tod, Körper und Seele, Materie und Energie eine Synthese in einem gemeinsamen Konzept gebildet wird, das über ihren wahrnehmbaren, erkennbaren Gegenpol hinausgeht. Dagaz übersteigt die Grenzen sprachlicher Ausdrucksmöglichkeit.
Schlüsselwörter:
· Licht
· Polarität
· Bildung einer Synthese
· "Odinisches Paradoxon"
Magische Wirkung:
· Erreichen des mystischen Augenblicks durch Erfassen des Mysteriums
des odinischen Paradoxons
· Empfangen mystischer Inspiration - als Geschenk Odins
Runen-Halbmonat: 14.6. - 28.6.
Gottheiten: Heimdall, Loki
Geschlecht: männlich
Farbe: rot
Element: Feuer, Luft
24. Rune: Othala - ererbter Besitz Lautwert: O
Urgermanisch: oþala - Gotisch: oþal - Altenglisch: éthel
- Nordisch: óðal
Esoterische Interpretation des Namens: unbeweglicher, ererbter Besitz
Ideographische Interpretation: abgeschlossenes, in dynamischer Wechselbeziehung
mit der Umgebung stehendes Gut
Das Mysterium von othala wird durch die befestigte Abgrenzung des Clans symbolisiert,
die seine unantastbaren Grenzen festlegt und ihn gegen gottlose Eindringlinge
schützen soll. Es ist die Essenz des kosmischen Konzeptes von Midhgardhr
- die Festung in der Mitte. Die O-Rune ist auch das Zeichen für angeborene
Qualitäten, die aus der Abstammung von einem bestimmten Clan oder einer
Sippe resultieren. Diese sind im wesentlichen spirituellen Ursprungs, und
sie sind letztlich das Ergebnis göttlicher Abstammung zuzüglich
der in der Vergangenheit von den Vorfahren gesetzten Handlungen. Othala ist
das Mysterium der Fylgja als spirituelle Quelle magischer Macht, resultierend
aus den tugendhaften Taten vergangener Generationen, welche als runische Prägungen
im "genetischen Code" der Nachkommen gespeichert sind - eine machtvolle
Rune Odhinns. Die Form des Zeichens dient auch als Monogramm Odhinns. Diese
Rune symbolisiert das Erbe, das von Generation zu Generation in der ganzen
Sippe weitergegeben wird, sowohl im materiellen wie auch im spirituellen Bereich.
Es ist ebenso unbeweglich wie Grund und Boden und kann nur innerhalb des Stammes
oder der Sippe vererbt werden. Durch die Institution der Ehe haben jedoch
auch Aussenstehende die Möglichkeit, Zugang zu dieser Macht zu erhalten
und sie zu integrieren. Othala verkörpert die weise und gerechte Verwaltung
des Landes durch die Edlen: jene, die von der geistigen Macht dieser Rune
durchdrungen sind und sie im Einklang mit Stammestradition und Gesetz zur
Anwendung bringen. Es ist die Rune des materiellen Wohlstands und Wohlbefindens.
Sie wirkt Hand in Hand mit dem ergänzenden Konzept beweglichen Eigentums
- der in der F-Rune enthaltenen Macht, um dieses wichtige Prinzip im Universum
zu entwickeln und auf Recht zu erhalten. Othala bürgt für menschliche
Freiheit innerhalb einer gesicherten und gesetzmäßigen Gesellschaft,
die mit sich selbst und ihrer Umgebung im Einklang steht. Sie verkörpert
traditionell bewahrte Stammes- und Sippengesetze auf spiritueller Ebene. In
Ásatrú wird diese Rune durch die Sippschaft ausgedrückt.
Schlüsselwörter:
· Heilige Umgrenzung
· Ererbte
Macht
· Bewahrte Freiheit
· Wohlstand
Magische Wirkung:
· Aufrechterhaltung der Ordnung in der Gesellschaft
· Besinnung auf gemeinsame Interessen in Heim und Familie
· Übergang von der Egoorientiertheit zur Stammesorientiertheit
· Übernahme von göttlicher Macht und Wissen von vergangenen
Generationen
· Erwerb von Reichtum und Wohlstand
Runen-Halbmonat: 29.5. - 13.6.
Gottheit: Odin
Geschlecht: männlich
Farbe: rot
Element: Erde