Wie viele Menschen wurden seit biblischen Zeiten von Christen ermordet?
OPFER DES CHRISTLICHEN GLAUBEN
"WUNDERSAME TATEN ZUM RUHME UND ZU EHREN GOTTES"
Die
Geschichte der Christlichen Kirche ist mit jenem ganz besonderen Saft geschrieben,
dem auch in ihrer Lehre die finsterste Bedeutung zukommt.
- Hans Wollschläger
Im
Folgenden sind nur Ereignisse aufgezählt, die auf Befehl oder unter Beteiligung
kirchlicher Autoritäten geschahen, sowie Taten, die im Namen des Christentums
begangen wurden. Und diese Liste ist bei weitem nicht vollständig.
Heiden in der Antike
· Kaum war im römischen Reich durch den imperialen Erlaß
des Jahres 315 das Christentum offiziell erlaubt, begann man schon damit,
heidnische Tempel zu zerstören und die heidnischen Priester zu erschlagen.
· Zwischen dem Jahr 315 und dem 6. Jahrhundert erschlug man Tausende
von heidnischen Gläubigen.
· Beispiele zerstörter Tempel: das Aeskulap-Heiligtum in Aegaea,
der Aphrodite-Tempel in Golgatha, Aphaka am Libanon, Heliopolis.
· Christliche Priester wie etwa Markus von Arethusa oder Kyrill von
Heliopolis wurden sogar als "Tempelzerstörer" berühmt.
[DA468]
· Auf Ausübung der heidnischen Gottesdienste stand seit 356 die
Todesstrafe. [DA468]
· Der christliche Imperator Theodosius (408-450) ließ sogar Kinder
hinrichten, weil sie mit Überresten heidnischer Statuen gespielt hatten.
[DA469]
Nach Auskunft christlicher Chronisten aber "befolgte er gewissenhaft
jede christliche Lehre..."
· Im sechsten Jahrhundert schließlich erklärte man Heiden
für völlig rechtlos.
· Im frühen vierten Jahrhundert wurde auf Betreiben christlicher
Priester der Philosoph Sopatros hingerichtet. [DA466]
· Die weltberühmte Gelehrte und Philosophin Hypatia von Alexandria
wurde 415 von einem christlichen Mob unter der Führung eines Predigers
namens Petrus mit Glasscherben regelrecht zerstückelt, anschließend
warf man ihren Leichnam in einen Abort.
[DO19-25]
Mission
· Karl der Große ließ 782 etwa 4500 Sachsen, die sich nicht
zum Christentum bekehren lassen wollten, den Kopf abschlagen. [DO30]
· Die Stedinger Bauern in Norddeutschland, die ihre erdrückende
Steuerlast nicht mehr ertragen wollten, wurden am 27. Mai 1234 von einem Kreuzesheer
niedergemetzelt, ihre Höfe mit frommen Katholiken besetzt. Dabei kamen
zwischen 5 000 und 11 000 Männer, Frauen und Kinder ums Leben. [WW223]
· Schlacht von Belgrad im Jahr 1456: etwa 80 000 Türken wurden
hier abgestochen. [DO235]
· 15. Jahrhundert in Polen: Christliche Ordensritter plündern
1019 Kirchen und 17987 Dörfer. Wieviele Menschen dabei umkamen, ist nicht
bekannt. [DO30]
· 16. und 17. Jahrhundert. Englische Truppen "befriedeten und
zivilisierten" Irland. Dort gab es nur gälische "Wilde",
"unvernünftige Tiere ohne jede Ahnung von Gott oder guten Manieren,
die sogar in Gütergemeinschaft ihr Vieh, ihre Frauen, Kinder und alle
anderen Dinge teilten."
Einer der erfolgreicheren Militärs, ein gewisser Humphrey Gilbert, Halbbruder
von Sir Walter Raleigh, ließ "die Köpfe all jener (wer sie
auch sein mochten), die am Tage getötet worden waren, von den Körpern
abtrennen und rechts und links des Weges auslegen" ("the heddes
of all those (of what sort soever thei were) which were killed in the daie,
should be cutte off from their bodies... and should bee laied on the ground
by eche side of the waie").
Dieser Versuch, die Iren zu zivilisieren, bewirkte dann in der Tat "großes
Entsetzen im Volk, als sie die Köpfe ihrer toten Väter, Brüder,
Kinder (!), Verwandten und Freunde auf dem Boden sahen" ("greate
terrour to the people when thei sawe the heddes of their dedde fathers, brothers,
children, kinsfolke, and freinds on the grounde").
Zehntausende gälischer Iren fielen diesem Blutbad zum Opfer. [SH99, 225]
Kreuzzüge (1095-1291)
· Der Erste Kreuzzug begann 1095 auf Befehl des Papstes Urban II. [WW11-41]
· Zwischen dem 12.6.1096 und dem 24.6.1096 kamen bei Gemetzeln in Ungarn,
bei Wieselburg und Semlin, Tausende ums Leben (alles Christen, einschließlich
der Kreuzfahrer). [WW23]
· Vom 9.9.1096 bis zum 16.9.1096, bei der Belagerung der türkischen
Residenzstadt Nikaia, erschlugen französische Kreuzritter abermals Tausende
(sie sollen dort kleine Kinder in Stücke gehauen oder lebendig gebraten
haben). [WW25-27]
· Um den 26.9.1096 beteiligten sich deutsche Kreuzritter bei der Eroberung
der Festung Xerigordon, an ähnlichen Veranstaltungen.
· Bis zum Januar 1098 wurden insgesamt 40 Hauptstädte und 200
Burgen erobert. Die Zahl der Opfer ist nicht bekannt. [WW30]
· Am 3.6.1098 eroberten die Kreuzfahrer Antiochia. Dabei wurden zwischen
10 000 und 60 000 Türken erschlagen. Aus der Chronik des Raimund von
Aguilers, Zeltkaplan des Grafen von Toulouse:
"Auf den Plätzen häuften sich die Toten dermaßen, daß
ob des furchtbaren Gestankes es niemand ertragen konnte, dort zu verweilen:
keinen Weg mehr gab es durch die Stadt, der nicht über Leichen führte."
[WW33]
· Am 28.6.1098 brachte man wieder 100 000 Türken, einschließlich
ihrer Frauen und Kinder, um.
Wie der christliche Chronist berichtet, fanden die Christen im türkischen
Lager nicht nur reiche Beute, darunter "unzählige Bücher, in
welchen die gotteslästerlichen Riten der Sarazenen und Türken aufgeschieben
waren mit ganz fluchwürdigen Schriftzeichen", sondern auch "Weiber,
zarte Kinder, Säuglinge; die einen hieben sie nieder, die anderen zertraten
sie mit den Hufen ihrer Pferde und füllten die Felder mit jämmerlich
zerfetzten Leichen". So wollte es Gott. [WW33-35]
· Am 11.12.1098 wurden bei der Eroberung der Stadt Marra (Maraat an-numan)
wieder Tausende umgebracht. Wegen der darauf einsetzenden Hungersnot wurden
"die schon stinkenden Leichen der Feinde vom Christenvolke verzehrt",
berichtete der christliche Chronist Albert Aquensis. [WW36]
· Am 15. Juli 1099 wurde schließlich Jerusalem gestürmt,
mehr als 60 000 Menschen wurden dabei umgebracht (Juden, Moslems, Männer,
Frauen, Kinder). [WW37-40]
Aus einem Augenzeugenbericht: "dort [vor dem Tempel Salomonis] entstand
ein solches Gemetzel, daß die Unseren bis zu den Knöcheln ihrer
Füße im Blute der Feinde wateten", und wiederum Albert schrieb:
"Weiber, die in betürmten Palästen und Gebäuden Zuflucht
gesucht hatten, machten sie nieder mit der Schärfe des Schwerts; Kinder,
Säuglinge noch, traten sie mit dem flachen Fuß den Müttern
vom Busen oder rissen sie aus den Wiegen, um sie sodann gegen Mauern oder
Türschwellen zu schmettern." [WW38]
Der Erzbischof Wilhelm von Tyros fügt noch hinzu: "Glücklich
und vor übergroßer Freude weinend zogen die Unseren alsdann zu
unseres Erlösers Jesu Grab, es zu verehren, und trugen ihre Dankesschuld
ab... Und es war nicht nur der Anblick der Leichen, der zerhackten, entstellten,
verstümmelten, welcher dem Beschauer bange werden ließ; wahrhaft
beklemmend wirkte auch das Bild der Sieger selbst, die vom Scheitel bis zur
Sohle von Blute troffen, und ein Grauen packte alle, die ihnen begegneten."
[WW39-40,TG79]
· Der christliche Chronist Eckehard von Aura hielt fest, daß
noch im folgenden Sommer 1100 "in ganz Palästina die Luft vom Leichengestank
verpestet war. Von solchen Gemetzeln hat keiner je im Heidenvolke vernommen..."
Der Erste Kreuzzug hatte über eine Million Menschen das Leben gekostet:
"Gedankt sei Gott!" [WW41]
· In der Schlacht von Askalon, am 12.8.1099 wurden 200 000 Heiden "im
Namen des Herrn Jesu Christi" zu Tode gemetzelt. [WW45]
· Vierter Kreuzzug: Am 12.4.1204 plünderten Kreuzfahrer (das christliche!)
Konstantinopel, die Zahl der Opfer ist nicht überliefert. [WW141-148]
· Die übrigen Kreuzzüge zusammengefaßt: bis zum Fall
von Akkon 1291 etwa 20 Millionen Opfer (im Heiligen Land und Arabisch/Türkischen
Gebieten). [WW224]
Hinweis: Alle Zahlen nach christlichen Chronisten.
Ketzer und Atheisten
· Schon im Jahr 385 u.Z. wurden die ersten Christen als Ketzer durch
andere Christen hingerichtet, nämlich der Spanier Priscillian mitsamt
sechs seiner Anhänger, die in Trier geköpft wurden. [DO26]
· Die Manichäische Ketzerei: Zwischen 372 u.Z. und 444 u.Z. wurden
die Manichäer, eine quasi christliche Sekte, bei denen Geburtenkontrolle
praktiziert wurde und die daher mehr Verantwortungsbewußtsein zeigten
als fromme Katholiken, im Verlauf mehrerer großangelegter Kampagnen
im ganzen Römischen Reich vollständig ausgerottet. Viele Tausende
Opfer. [NC]
· Die Albigenser fielen dem ersten Kreuzzug zum Opfer, der sich von
Anfang an gegen Christen richtete. [DO29]
Diese, auch unter dem Namen Katharer bekannt, sahen sich selbst als gute Christen,
erkannten aber weder den Papst an noch das römisch-katholische Verbot
der Empfängnisverhütung, und sie wollten auch keine Kirchensteuern
bezahlen. [NC]
Auf Befehl des Papstes Innozenz III (dem größten Massenmörder
vor Hitler) begann der Kreuzzug 1209. Die Stadt Beziérs (im heutigen
Südfrankreich) wurde am 22.7.1209 zerstört, alle Einwohner umgebracht,
einschließlich der Katholiken, die die Auslieferung der Ketzer verweigert
hatten. Die Zahl der Toten wird zwischen 20 000-70 000 geschätzt. [WW179-181]
· Nach der Einnahme von Carcassonne am 15.8.1209 erschlug man wiederum
Tausende, und vielen weiteren Städten erging es ähnlich. [WW181]
· In den folgenden 20 Jahren Krieg wurde das Land verwüstet, fast
alle Katharer (immerhin etwa die Hälfte der Bevölkerung des Languedoc,
im heutigen Südfrankreich) erschlagen, gesteinigt, ersäuft, verbrannt.
[WW183]
· Nach dem Ende des Krieges (1229) wurde 1232 die Inquisition gegründet,
um die überlebenden Ketzer in ihren Verstecken aufzuspüren und zu
vernichten. Den letzten der Katharer, Guillaume de Belibaste, verbrannte man
1324 auf dem Scheiterhaufen. [WW183,LM]
· Etwa eine Million Opfer allein unter den Katharern. [WW183]
· Weitere Ketzereien: Waldenser, Paulikianer, Runcarier, Josephiten,
und viele mehr. Die meisten dieser Sekten wurden ausgerottet (einige Dutzend
Waldenser gibt es m.W. heute noch, obwohl sie 600 Jahre lang verfolgt wurden).
Nach meinen Schätzungen sind weitere hunderttausend Opfer nicht zu gering
angesetzt (einschließlich der Spanischen Inquisition, aber ohne die
Neue Welt).
· Der spanische Inquisitor Tomas de Torquemada soll persönlich
10 220 Menschen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt haben. [DO28,DZ]
· Johannes Hus, ein Kritiker des Ablaßhandels, wurde 1415 auf
dem Scheiterhaufen verbrannt. [LI475-522]
· Michael Sattler, Vorsteher einer Täufergemeinde, wurde als Ketzer
am 20. Mai 1527 in Rottenburg a.N. auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Einige
Tage darauf exekutierte man seine Frau und weitere Anhänger. [KM]
· Den Universitätsprofessor B.Hubmaier endete 1538 in Wien auf
dem Scheiterhaufen. [DO59]
· Giordano Bruno, ein Dominikanermönch, bestieg am 17.2.1600,
nach siebenjähriger Kerkerhaft, den Scheiterhaufen auf dem Campo dei
Fiori in Rom.
· Mitte des siebzehnten Jahrhunderts wurde der Atheist Thomas Aikenhead,
ein knapp zwanzigjähriger schottischer Student, auf Betreiben der Geistlichkeit
gehängt. [HA]
Hexen
· Von den frühesten Tagen des Christentums bis zum Jahr 1484 wurden
vermutlich mehrere Tausend Hexen hingerichtet.
· In der eigentlichen Ära der Hexenprozesse (1484-1750) endeten
nach Schätzungen moderner Historiker mehrere Hunderttausend am Galgen
oder auf dem Scheiterhaufen, etwa vier Fünftel von ihnen Frauen. [WV]
· Eine (natürlich nicht vollständige) Liste mit namentlich
bekannten Opfern findet man hier:
The Burning of Witches - A Chronicle of the Burning Times
Religionskriege und Reformation
· 15. Jahrhundert: Kreuzzüge gegen die Hussiten, Tausende kamen
dabei um. [DO30]
· 1538 befahl Papst Paul III. einen Kreuzzug gegen das abgefallene
England, und erklärte alle Engländer zu Sklaven Roms. Zum Glück
schlug das Unternehmen fehl. [DO31]
· 1568 beschloß das Spanische Inquisitionstribunal die Beseitigung
von drei Millionen aufständischer Holländer in den (damals spanischen)
Niederlanden. Zwischen 5000 und 6000 Protestanten wurden von den spanischen
Truppen des katholischen Spanien ertränkt: "ein Desaster, von dem
die Bürger von Emden zuerst erfuhren, als mehrere tausend breitkrempige
holländische Hüte den Fluß hinabtrieben." [DO31,SH216]
· 1572 wurden in Frankreich 20 000 Hugenotten auf Befehl des Papstes
Pius V. ermordet. Bis ins 17. Jahrhundert flohen 200 000 weitere. [DO31]
· 17. Jahrhundert: Katholiken erschlugen den Führer der Protestanten,
Gaspard de Coligny. Nach dem Mord verstümmelte der Mob seinen Leichnam,
"sie schnitten ihm den Kopf ab, seine Hände, seine Genitalien,...
und warfen ihn in den Fluß [...aber] dann erschien er es ihnen nicht
einmal wert, Fischfutter zu werden, also wurde er wieder herausgezogen und
seine Überreste zu den Galgen von Montfaulcon geschleppt, 'um dort als
Futter und Nahrung für Raben und Krähen zu enden'." [SH191]
· 17. Jahrhundert: Das protestantische Magdeburg wird von katholischen
Truppen geplündert und verwüstet, etwa 30 000 Protestanten erschlagen.
"In einer einzigen Kirche fand man fünfzig geköpfte Frauen,"
berichtete der Dichter Friedrich Schiller, "und Kleinkinder, die noch
an den Brüsten ihrer leblosen Mütter saugten." (meine Übersetzung
aus dem Englischen) [SH191]
· 17. Jahrhundert: Der Dreißigjährige Krieg (Protestanten
gegen Katholiken) dezimiert etwa 40% der Bevölkerung, vor allem in Deutschland.
[DO31-32]
Juden
· Schon im 4. und 5. Jahrhundert brannten Christen Synagogen nieder.
· In der Mitte des vierten Jahrhunderts wurde die erste Synagoge auf
Befehl des Bischofs Innozenz von Dertona, Norditalien, zerstört. Die
erste Synagoge, die niedergebrannt wurde, hatte in der Nähe des Euphrat
gestanden. Den Befehl zu ihrer Zerstörung erteilte der Bishof von Kallinikon
im Jahr 388. [DA450]
· 694 beschließt das 17. Konzil von Toledo, die Juden zu versklaven,
ihr Eigentum zu konfiszieren, und ihre Kinder zur Taufe zu zwingen. [DA454]
· 1010 ließ der Bishop von Limoges die Juden der Stadt, die sich
nicht zum Christentum bekehren wollten, vertreiben oder umbringen. [DA453]
· 1096 Zu Beginn des Ersten Kreuzzugs wurden Tausende Juden erschlagen,
im Ganzen vielleicht 12.000. Unter anderem waren betroffen: Worms am 18.5.1096,
Mainz am 27.5.1096 (1100 Personen), Köln, Neuss, Altenahr, Wevelinghoven,
Xanten, Moers, Dortmund, Kerpen, Trier, Metz, Regensburg, Prag (alle in Deutschland
außer Metz und Prag). [EJ]
· 1147 Ebenfalls zu Anfang des Zweiten Kreuzzugs erschlug man in den
franösischen Orten Ham, Sully, Carentan, und Rameru mehrere Hundert Juden.
[WW57]
· 1189/90 Die jüdischen Gemeinden Englands plünderte man
aus Anlaß des Dritten Kreuzzugs. [DO40]
· 1235 wurden in Fulda 34 jüdische Männer und Frauen umgebracht.
[DO41]
· 1257 und 1267 beseitigte man die jüdischen Gemeinden von London,
Canterbury, Northampton, Lincoln, Cambridge, und anderen Städten. [DO41]
· 1290 sollen in Böhmen 10 000 Juden umgebracht worden sein. [DO41]
· 1337 Ausgehend von Deggendorf verbreiteten sich hysterische antijüdische
Pogrome über 51 Städte in Bayern, Österreich und Polen. [DO41]
· 1348 verbrannte man die Juden von Basel und Straßburg, insgesamt
zweitausend Menschen. [DO41]
· 1349 wurden in mehr als 350 Städten Deutschlands alle Juden
ermordet, zumeist lebendig verbrannt. In diesem einzigen Jahr wurden mehr
Juden von Christen ermordet, als in Hunderten von Jahren antiker römischer
Christenverfolgung zum Opfer gefallen waren. [DO42]
· 1389 schlachtete man in Prag 3 000 Juden ab. [DO42]
· 1391 ermordete man unter Führung des Erzbischofs Martinez in
Sevilla etwa 4 000 Juden und verkaufte weitere 25 000 als Sklaven. [DA454]
Sie waren leicht zu erkennen gewesen, denn man hatte alle Juden ab dem Alter
von zehn Jahren gezwungen, ein farbiges "Schandabzeichen" an der
Kleidung zu tragen, der historische Ursprung des späteren "Judensterns"
der Nazizeit.
· 1492, im selben Jahr, als Kolumbus die Segel setzen ließ, eine
Neue Welt zu erobern, wurden am 30.6.1492 mehr als 150 000 Juden aus Spanien
vertrieben, viele von ihnen kamen unterwegs um. [MM470-476]
· 1648 brachte man in den sog. Chmielnitzki Massakern in Polen etwa
200 000 Juden um. [DO43]
(Mir wird übel ...) so geht das weiter und weiter, Jahrhundert um Jahrhundert,
geradewegs bis hin zu den Öfen von Auschwitz.
Ureinwohner
· Bereits mit Christoph Kolumbus, einem ehemaligen Sklavenhändler,
der später Karriere als Heiliger Kreuzfahrer machen sollte, begann die
Eroberung der Neuen Welt, wie üblich zum Zwecke der Verbreitung des Christentums.
· Schon wenige Stunden nach der Landung auf der ersten bewohnten Insel,
auf die er in der Karibik stieß, ließ er sechs Eingeborene gefangennehmen
und fortschaffen, die, so schrieb er, "gute Diener und Knechte abgeben
müßten, ... [und] die man leicht zum Christentum bekehren könnte,
denn wie mir schien, gehörten sie gar keiner Religion an." [SH200]
Während Kolumbus so die Ureinwohner als "Götzendiener"
bezeichnete und als "Sklaven, soviel auch immer die Spanische Krone geliefert
haben möchte," beschrieb sein Kumpan Michele de Cuneo, ein italienischer
Edelmann, die Eingeborenen als "Tiere", denn "sie essen, wenn
sie Hunger haben," und sie "lieben sich ganz offen, wann immer ihnen
danach ist." [SH204-205]
· Auf jeder Insel die er betrat, rammte Kolumbus ein Kreuz in den Boden,
"und verlas die erforderliche Verlautbarung" - das Requerimiento
- um die Insel im Namen seiner Katholischen Herren für Spanien in Besitz
zu nehmen. Und "niemand erhob Einspruch." Sollten die Indianer freilich
ihre Zustimmung verweigern (oder vielleicht schlicht kein Wort Spanisch verstehen?),
hieß es im Requerimiento weiter:
"Hiermit garantiere ich, daß wir mit Gottes Hilfe und aller Macht
in Euer Land eindringen werden, gegen Euch Krieg führen werden, ... um
Euch dem Joch und der Herrschaft der Kirche zu unterwerfen ... wir werden
Euch jeden erdenklichen Schaden zufügen soviel wir nur immer vermögen,
gerade so wie widersetzlichen Vasallen, die ihren Herrn nicht anerkennen und
nicht gehorchen wollen, sondern widersprechen." [SH66]
· Entsprechend lauteten auch die Worte von John Winthrop, dem ersten
Gouverneur der Massachusetts Bay Colony: "justifieinge the undertakeres
of the intended Plantation in New England ... to carry the Gospell into those
parts of the world, ... and to raise a Bulworke against the kingdome of the
Ante-Christ." [SH235]
(Übers.: ...rechtfertigt die Unternehmung der geplanten Pflanzung in
Neuengland, ... das Evangelium in jene Teile der Welt zu bringen, ... und
daselbst ein Bollwerk gegen das Reich des Antichrist zu errichten.)
· Im Schnitt gingen schon zwei Drittel der Ureinwohner an den von Europäern
eingeschleppten Pocken zugrunde, bevor es überhaupt zu Gewalttätigkeiten
kam. Das allerdings war den Christen selbstverständlich "ein wunderbares
Zeichen der unermeßlichen Güte und Vorsehung Gottes!"
So schrieb zum Beispiel der Gouverneur der Massachusetts Bay Colony 1634,
"was die Eingeborenen betrifft, so sind sie fast alle an den Pocken gestorben,
und so hat denn der HERR unseren Anspruch auf unseren Besitz geklärt."
[SH109,238]
· Allein auf der Insel Hispaniola, nach den ersten Besuchen durch Kolumbus,
betrauerten die eingeborenen Arawak, ein vergleichsweise harmloses und glückliches
Volk, das auf einer Insel üppiger Ressourcen lebte, einem wahren Paradies,
bald fünfzig Tausend Tote. [SH204]
· Die überlebenden Indianer fielen spanischen Angriffen, Morden,
Vergewaltigungen und der Versklavung zum Opfer.
· Einer der Täter berichtete: "So viele Indianer waren tot,
daß man sie gar nicht zählen konnte. Über das ganze Land verstreut
lagen überall tote Indianer. Der Gestank war durchdringend und pestilenzialisch."
[SH69]
· Der indianische Häuptling Hatuey floh mitsamt seinem Volk, wurde
aber gefangengenommen und lebendig verbrannt. Als "sie ihn auf den Scheiterhaufen
banden, bat ihn ein Franziskanerbruder inständig, er möge Jesus
sein Herz öffnen, damit seine Seele in den Himmel eingehen könne,
anstatt in die Verdammnis hinabzufahren. Hatuey erwiderte, wenn der Himmel
der Ort sei, an den die Christen kämen, ziehe er die Hölle vor."
[SH70]
· Was dann mit seinem Volk geschah, beschrieb ein Augenzeuge:
"Den Spaniern gefiel es, sich allerlei absonderliche Grausamkeiten einfallen
zu lassen... Sie machten auch breite Galgen, so, daß die Füße
beinahe die Erde berührten [um der Erstickung vorzubeugen], hingen zu
Ehren des Erlösers und der zwölf Apostel je dreizehn und dreizehn
Indianer an jeden derselben, legten dann Holz und Feuer darunter, und verbrannten
sie lebendig." [SH72, DO211]
Bei anderen Gelegenheiten erfand man weitere Lustbarkeiten:
"Die Spanier hackten den einen den Arm ab, anderen die Hüfte oder
ein Bein, um manchen mit einem Schlag den Kopf abzutrennen, nicht anders als
Metzger, die Schafe für den Markttag schlachten. Sechshundert, einschließlich
des Kaziken, wurden so abgeschlachtet wie wilde Tiere.... Vasco [de Balboa]
ließ vierzig von ihnen von Hunden zerreißen." [SH83]
· Die "Bevölkerung der Insel, die auf etwa acht Millionen
zur Zeit von Kolumbus Ankunft geschätzt wird, war so bereits um die Hälfte
oder gar zwei Drittel gesunken, noch ehe das Jahr 1496 zu Ende ging."
Schließlich, nachdem die Einwohner der Insel völlig ausgerottet
waren, sahen sich die Spanier "gezwungen", ihre Sklaven von anderen
Karibikinseln zu importieren, die jedoch bald dasselbe Schicksal erlitten.
So "wurden die Millionen von Ureinwohnern der Karibik in weniger als
einem Vierteljahrhundert effektiv liquidiert." [SH72-73]
"In weniger als der normalen Lebensspanne eines einzigen Menschen wurde
damit eine ganze Kultur von Millionen Menschen, die für Tausende von
Jahren in ihrer Heimat ansässig gewesen waren, ausgerottet." [SH75]
· "Und darauf wandten die Spanier ihre Aufmerksamkeit dem Festland
von Mexiko und Zentralamerika zu. Das Gemetzel hatte noch kaum begonnen. Die
edle Stadt Tenochtitlán [Mexico City] kam als nächstes."
[SH75]
· Hernando Cortez, Francisco Pizarro, Hernando DeSoto und Hunderte
anderer spanische Konquistadoren plünderten und zerstörten süd-
und mittelamerikanische Zivilisationen im Namen ihres Herrn Jesus Christus
(DeSoto plünderte außerdem noch Florida - die "Blühende").
· "Als sich das 16. Jahrhundert dem Ende zuneigte, hatten sich
etwa 200 000 Spanier in Amerika angesiedelt. Zu diesem Zeitpunkt waren wahrscheinlich
schon mehr als 60 000 000 Ureinwohner tot." [SH95]
Natürlich verhielten sich die ersten Siedler auf dem Gebiet der heutigen
U.S.A. kein bißchen anders.
· Obwohl kaum einer der Siedler ohne indianische Hilfe den Winter überlebt
hätte, machten sie sich schon bald daran, die Indianer zu vertreiben
und auszurotten.
Der Krieg nordamerikanischer Indianer untereinander war eine vergleichsweise
harmlose Angelegenheit, gemessen an dem, was in Europa üblich war, und
diente eher dem Ausgleich von Beleidigungen, keineswegs aber dem Erobern von
Land. So wunderten sich denn auch die christlichen Pilgerväter: "ihre
Kriege sind bei weitem nicht so blutig..." ("their Warres are farre
less bloudy"), und daher gebe es "auf beiden Seiten kein großes
Gemetzel" ("no great slawter of nether side").
Tatsächlich könne "es vorkommen, daß sie sieben Jahre
Krieg führen und dabei nicht einmal sieben Mann umkommen", ("they
might fight seven yeares and not kill seven men".)
Außerdem war es bei Indianern üblich, die Frauen und Kinder des
Gegners zu verschonen. [SH111]
· Im Frühsommer 1612 fanden einige englische Siedler das Leben
der zumeist freigiebigen und freundlichen Indianer so verlockend, daß
sie Jamestown verließen - "die Müßiggänger ...
flüchteten zu den Indianern" ("being idell ... did runne away
unto the Indyans"), um bei diesen zu leben (womit vermutlich auch einem
sexuellen Notstand abgeholfen wurde).
Doch "Gouverneur Thomas Dale ließ sie zusammentreiben und exekutierte
sie: 'Einige ließ er hängen, einige verbrennen, andere aufs Rad
flechten, wieder andere wurden auf Pfähle gespießt, und einige
erschossen.' ('Some he apointed to be hanged Some burned Some to be broken
upon wheles, others to be staked and some shott to deathe')." [SH105]
Selbstverständlich blieben derlei elegante Maßnahmen den Engländern
vorbehalten: "Das war die Verfahrensweise bei jenen, die sich wie Indianer
verhielten. Für diejenigen aber, die dabei gar keine Wahl hatten, eben
weil sie die Urbevölkerung von Virginia waren," machte man gleich
tabula rasa:
"als ein Indianer von einem Engländer beschuldigt wurde, eine Tasse
gestohlen zu haben und sie nicht wieder hergab, war die englische Reaktion
darauf Gewalt: man attackierte die Indianer und brannte ihr ganzes Dorf nieder."
[SH105]
· Auf dem Gebiet des heutigen Massachusetts verübten die Pilgerväter
der Kolonien einen Völkermord, der als Krieg der Pequots in die Geschichte
eingegangen ist. Die Mörder waren jene puritanischen Christen Neuenglands,
die selbst vor religiöser Verfolgung aus ihrer alten Heimat England geflohen
waren.
· Als man einen Engländer tot auffand, der möglicherweise
von Kriegern der Narragansett umgebracht worden war, wollten die Puritaner
Blut sehen. Obwohl der Häuptling der Narragansetts um Schonung bat, bliesen
sie zum Angriff.
Irgendwie scheinen sie unterwegs aber aus dem Auge verloren zu haben, auf
was sie eigentlich aus gewesen waren, denn als sie später von einigen
Pequot begrüßt wurden, die selbst seit langem mit den Narragansetts
in Fehde lagen, griffen die puritanischen Truppen die Pequots an und brannten
ihre Dörfer nieder.
Der Kommandant der Puritaner, John Mason, schrieb nach einem der Massaker:
"Und fürwahr, solchen Schrecken brachte der Allmächtige über
ihre Seelen, daß sie vor uns flohen, geradewegs in die Flammen, wo viele
von ihnen zugrunde gingen ... Gott kam über sie und hohnlachte über
seine Feinde, die Feinde seines Volkes, und ließ sie zu einem Feuerofen
werden ... So richtete der HERR die Heiden, und häufte die Toten auf":
Männer, Frauen, Kinder.
("And indeed such a dreadful Terror did the Almighty let fall upon their
Spirits, that they would fly from us and run into the very Flames, where many
of them perished ... God was above them, who laughed his Enemies and the Enemies
of his People to Scorn, making them as a fiery Oven ... Thus did the Lord
judge among the Heathen, filling the Place with dead Bodies") [SH113-114]
· Und so "gefiel es denn dem HERRN, unsere Feinde ins Hinterteil
zu treten, und uns ihr Land zum Erbteil zu geben" ("the Lord was
pleased to smite our Enemies in the hinder Parts, and to give us their land
for an inheritance". [SH111].
· Da Mason davon ausgehen konnte, daß seine Leser ihre Bibel
kannten, brauchte er nicht noch die Worte zitieren, die sich hier anschließen:
"Aus den Städten dieser Völker jedoch, die der Herr, dein Gott,
dir als Erbbesitz gibt, darfst Du nichts, was Atem hat, am Leben lassen. Vielmehr
sollst du [sie] der Vernichtung weihen, so wie es der Herr, dein Gott, dir
zur Pflicht gemacht hat..." (5.Mose 20).
· Sein Kumpan Underhill erinnerte daran, wie "eindrucksvoll und
trübselig der blutige Anblick für die jungen Soldaten war"
("how great and doleful was the bloody sight to the view of the young
soldiers"), doch, so versicherte er seinen Lesern, "manchmal bestimmt
die Heilige Schrift nun einmal, daß Frauen und Kinder mitsamt ihren
Eltern untergehen müssen" ("sometimes the Scripture declareth
women and children must perish with their parents"). [SH114]
· Andere Indianer fielen Giftanschlägen zum Opfer. Die Siedler
richteten sogar Hunde speziell darauf ab, Indianer zu jagen und kleine Kinder
von den Armen ihrer Mütter zu reißen und zu zerfleischen. Um sie
mit ihren eigenen Worten zu zitieren: "Bluthunde um sie zu jagen und
Mastiffs, sie zu ergreifen" ("blood Hounds to draw after them, and
Mastives to seaze them"). Hierbei hatten sich die Puritaner von den Methoden
ihrer spanischen Zeitgenossen inspirieren lassen.
So ging das fort, bis die Pequot nahezu ausgerottet waren. [SH107-119]
· Die Handvoll Überlebender wurde dann "unter die Siedler
verteilt, um in Knechtschaft zu leben. John Endicott und sein Pastor schrieben
an den Gouverneur und erbaten sich ihren 'Anteil' an den Gefangenen, 'insbesondere
eine junge Frau oder ein Mädchen, und einen Knaben, wenn es beliebt',
('a young woman or girle and a boy if you thinke good')." [SH115]
· Andere Indianerstämme erlitten dasselbe Geschick.
· So kommentierten die frommen Ausrotter: "Gottes Wille, der uns
zuguterletzt doch Grund gibt zu sagen: 'Wie herrlich ist seine Güte!
Wie herrlich ist seine Pracht!" ("God's Will, which will at last
give us cause to say: How Great is His Goodness! and How Great is his Beauty!")
"Und so brachte sie denn unser Herr Jesus dazu, sich vor ihm zu verneigen
und Staub zu lecken!" ("Thus doth the Lord Jesus make them to bow
before him, and to lick the Dust!") [TA]
· Wie noch heute, war das Lügen zur höheren Ehre Gottes,
oder zu ihrem Vorteil gegenüber Heiden, für die damaligen Christen
erlaubt: "Friedensverträge wurden bereits mit der Absicht unterzeichnet,
sie zu brechen. So riet etwa der Staatsrat von Virginia, wenn die Indianer
'nach dem Vertragsabschluß erst beruhigt sind, haben wir nicht nur den
Vorteil sie zu überraschen, sondern auch ihren Mais zu schneiden.'"
("[when the Indians] grow secure uppon the treatie, we shall have the
better Advantage both to surprise them, & cutt downe theire Corne.")
[SH106]
· Im Jahre 1624 hackten etwa sechzig schwerbewaffnete Engländer
800 wehrlose indianische Männer, Frauen, und Kinder in Stücke. [SH107]
· Bei einem einzigen Massaker während des "King Philip's
War" von 1675-1676 wurden etwa "600 Indianer umgebracht. Der angesehene
Pastor der Zweiten Kirche von Boston, Cotton Mather, bezeichnete das Massaker
später als 'Grillpartie' ('barbeque')." [SH115]
· Um zusammanzufassen: Vor der Ankunft der Engländer hatte die
Bevölkerung der Abenaki im westlichen New Hampshire und Vermont etwa
12 000 gezählt. Weniger als ein halbes Jahrhundert waren noch etwa 250
am Leben geblieben - eine Vernichtung von 98%. Das Volk der Pocumtuck hatte
mehr als 18 000 gezählt, fünfzig Jahre später war ihre Zahl
auf 920 gefallen - 95% waren tot. Das Volk der Quiripi-Unquachog hatte etwa
30 000 gezählt, nach fünfzig Jahren blieben gerade noch 1500 am
Leben - 95% waren tot. Das Volk der Massachusetts hatte mindestens 44 000
Personen gezählt, nach fünfzig Jahren lebten kaum noch 6000 - 81%
waren tot. [SH118]
Dies sind nur einige Beispiele der Vielzahl von Stämmen, die vor der
Ankunft der Christen in Nordamerika lebten. All dies geschah noch vor der
großen Pockenepidemie der Jahre 1677 und 1678. Und das Blutbad hatte
gerade erst begonnen.
· All das war erst der Beginn der Kolonisation durch Europäer,
vor der eigentlichen Zeit des sogenannten Wilden Westens.
· Im ganzen kamen wahrscheinlich mehr als 150 Millionen Indianer (in
Nord- und Südamerika) zwischen 1500 to 1900 ums Leben, im Durchschnitt
etwa zwei Drittel durch von Eurpoäern eingeschleppte Pocken und andere
Epidemien (wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, daß seit etwa
1750 Indianer durch infizierte Geschenke auch absichtlich angesteckt wurden).
Damit bleiben noch immer 50 Millionen, deren Tod direkt auf Gewalt, unmenschliche
Behandlung oder Sklaverei zurückzuführen ist.
· Und in etlichen Ländern, wie zum Beispiel Brasilien und Guatemala,
setzt sich das - auf kleiner Flamme sozusagen - bis heute fort.
Weitere ruhmreiche Stationen der Geschichte der U.S.A.
· Pastor Solomon Stoddard, eine der angesehensten religiösen Autoritäten
von Neuengland, "ersuchte 1703 ganz formell den Gouverneur von Massachusetts,
den Kolonisten die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um große
Hundemeuten zu erwerben und die Hunde darauf abrichten zu können, 'Indianer
so wie Bären zu jagen'." [SH241]
· Das Massaker von Sand Creek, Colorado, 29. November 1864. Colonel
John Chivington, ein früherer Methodistenprediger und noch immer im Gemeindevorstand
("Ich brenne darauf in Blut zu waten") ließ ein Dorf der Cheyenne
mit etwa 600 Bewohnern - fast nur Frauen und Kinder - zusammenschießen,
obwohl der Häuptling eine weiße Fahne schwenkte: etwa 400-500 Tote.
Ein Augenzeuge berichtete: "Da waren etwa dreißig bis vierzig Squaws,
die sich schutzsuchend in einem Loch versteckten; sie schickten ein kleines
Mädchen, etwa sechs Jahre alt, mit einer weißen Fahne an einem
Stock, heraus. Sie war erst ein paar Schritte weit gekommen, da wurde sie
getroffen und erschossen. Später wurden alle Frauen in dem Loch getötet..."
[SH131]
Noch mehr blutige Einzelheiten. (engl.)
· Um 1860 "kommentierte der Geistliche Rufus Anderson das Blutbad,
das die Urbevölkerung der Insel Hawaii bis dahin schon um mindestens
90 Prozent dezimiert hatte. Er konnte darin keine Tragödie erkennen:
das zu erwartende totale Aussterben der Urbevölkerung von Hawaii war
schließlich ganz natürlich, sagte der Missionar, in etwa vergleichbar
'mit der Amputation kranker Glieder am Körper'." [SH244]
Kirchliche Greuel im 20. Jahrhundert
· Katholische Vernichtungslager
Überraschend wenige wissen, daß die Vernichtungslager der Nazis
in Europa zur Zeit des zweiten Weltkriegs keineswegs die einzigen waren. In
den Jahren 1942-1943 gab es auch in Kroatien zahlreiche Vernichtungslager,
die von den Katholischen Ustaschi unter ihrem Diktator Ante Paveliç
betrieben wurden, einem praktizierenden Katholiken, der regelmäßig
den damaligen Papst besuchte. Es gab sogar Konzentrationslager speziell für
Kinder!
In den kroatischen Konzentrationslagern wurden vor allem christlich-orthodoxe
Serben, aber auch eine beträchtliche Zahl von Juden ermordet. Am berüchtigtsten
war das Lager Jasenovac, sein Kommandant war zeitweilig ein gewisser Miroslav
Filipoviç, ein Franziskanerpater, der als "Bruder Tod" gefürchtet
war. Wie die Nazis verbrannten hier die katholischen Ustaschi ihre Opfer in
Öfen, allerdings lebend, anders als die Nazis, die ihre Opfer wenigstens
zuvor vergast hatten. Aber die meisten ihrer Opfer wurden schlicht erschlagen,
erstochen, und erschossen, man schätzt ihre Gesamtzahl auf immerhin etwa
300 000 bis 600 000, und das in einem ja vergleichsweise kleinen Land. Viele
der Mörder waren Franziskanermönche, die damals oft mit Maschinenpistolen
bewaffnet waren. Diese kroatischen Greueltaten waren derart entsetzlich, daß
selbst einige Offiziere vom Sicherheitsdienst der SS (!), die das Geschehen
beobachtet hatten, bei Adolf Hitler Beschwerde einreichten (was diesen allerdings
nicht weiter interessierte). Der damalige Papst aber wußte von diesen
Greueln, und tat nichts, um sie zu verhindern. [MV]
(Nachtrag des Autors: Vor dem Hintergrund dieser Geschichte wirkte die Berichterstattung
der Medien über den jüngsten Balkankonflikt manchmal geradezu gespenstisch,
fielen da doch die Namen von Orten wie Banja Luka, oder Flüssen wie der
Save, wo man gelegentlich noch heute Gebeine der ein halbes Jahrhundert zuvor
Ermordeten finden kann).
· Katholischer Terror in Vietnam
Im Jahr 1954 hatten vietnamesische Freiheitskämpfer - der Viet Minh -
endlich die französische Kolonialregierung in Nordvietnam besiegt, die
bis dahin von den U.S.A. schon mit mehr als 2 Milliarden Dollar unterstützt
worden war. Obwohl die Sieger religiöse Freiheit für alle proklamierten
- die meisten nicht buddhistischen Vietnamesen waren katholisch -, veranlaßten
großangelegte antikommunistische Propagandakampagnen eine Vielzahl von
Katholiken, in den Süden des Landes zu fliehen. Mit Hilfe der katholischen
Lobby in Washington, und mit Unterstützung durch Kardinal Spellman, dem
Sprecher des Vatikan in der amerikanischen Politik, der später die amerikanischen
Streitkräfte in Vietnam als "Truppen Christi" bezeichnen sollte,
wurde ein Staatsstreich geplant, um demokratische Wahlen im Süden des
Landes zu unterbinden. Wahrscheinlich wären nämlich aus solchen
Wahlen auch im Süden die kommunistischen Viet Minh als Sieger hervorgegangen.
Statt dessen ernannte man den fanatischen Katholiken Ngo Dinh Diem zum Präsidenten
von Südvietnam. [MW16ff]
Diem sorgte dafür, daß Hilfsmittel aus den U.S.A., Nahrungshilfen
und Medikamente, technische und sonstige Unterstützung nur Katholiken
zugute kamen. Buddhisten und buddhistische Dörfer wurden entweder ignoriert
oder mußten für die Hilfen bezahlen, die die Katholiken aber umsonst
erhielten. Die einzige offiziell geförderte Religion war die römisch-katholische
Kirche.
Die antikommunistische Hysterie entfaltete sich in Vietnam noch brutaler als
ihr U.S. amerikanisches Gegenstück, die politische Hexenjagd der McCarthy
Ära. 1956 erließ Präsident Diem eine Verfügung, in der
es hieß:
"Individuen, die die nationale Verteidigung oder die allgemeine Sicherheit
gefährden, können durch die Behörden in ein Konzentrationslager
eingewiesen werden."
Angeblich um den Kommunismus zu bekämpfen, wurden so tausende buddhistischer
Demonstranten und Mönche in "Sicherheitsverwahrung" genommen.
Aus Protest übergossen sich Dutzende buddhistischer Lehrer und Lehrerinnen,
aber auch Mönche mit Benzin und verbrannten sich selbst (man beachte,
daß hier Buddhisten sich selbst verbrannten: im Gegensatz dazu neigen
Christen eher dazu, andere zu verbrennen, siehe dazu auch den letzten Absatz).
In der Zwischenzeit hatten sich einige der Gefängnislager - in denen
längst auch protestanische Christen und sogar Katholiken einsaßen
- zu regelrechten Todeslagern entwickelt. Man schätzt, daß in dieser
Zeit des Terrors (1955-1960) mindestens 24 000 Personen bei Unruhen verwundet,
etwa 80 000 Menschen hingerichtet, 275 000 festgenommen und gefoltert worden
sind, und etwa 500 000 waren in Konzentrations- oder Gefangenenlager verschleppt
worden. [MW76-89].
Zur Unterstützung einer solchen Regierung verloren darüberhinaus
im Verlauf des nächsten Jahrzehnts tausende amerikanischer Soldaten ihr
Leben.
· Virus Catholicus
Am 1. Juli 1976 starb die 23 Jahre alte Pädagogikstudentin Anneliese
Michel: sie hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode gehungert. Monatelang
schon war sie von dämonischen Visionen und Erscheinungen heimgesucht
worden. Ebenfalls monatelang hatten zwei katholische Priester - und zwar mit
offizieller Genehmigung des Bischofs von Würzburg - das arme Mädchen
außerdem noch mit Exorzismen und Teufelsaustreibungen gepeinigt und
gequält. Als sie im Krankenhaus von Klingenberg starb, war ihr Körper
übersät von blutigen Wunden. Ihre Eltern, beide fanatische Katholiken,
wurden wegen unterlassener Hilfeleistung - insbesondere weil sie keinen Arzt
konsultiert hatten - zu sechs Monaten Haft verurteilt. Doch keiner der Priester
wurde gemaßregelt. Im Gegenteil: inzwischen wird das Grab von Anneliese
Michel regelmäßig von ähnlich gläubigen katholischen
Pilgern aufgesucht und verehrt (im siebzehnten Jahrhundert war Würzburg
für seine ausgedehnten Hexenverbrennungen berüchtigt).
Dieser eine Fall ist nur die Spitze eines Eisbergs solch gefährlichen
Aberglaubens und ist nur aufgrund des tödlichen Ausgangs bekanntgeworden.
[SP80]
· Massaker in Ruanda
Im Jahr 1994 wurden in dem kleinen afrikanischen Land Ruanda innerhalb weniger
Monate mehrere hunderttausend Zivilisten abgeschlachtet. Scheinbar handelte
es sich dabei um einen Konflikt zwischen den ethnischen Gruppen der Hutu und
der Tutsi (Watussi).
Geraume Zeit hörte ich nur Gerüchte über eine Verstrickung
des katholischen Klerus in die Greueltaten. Seltsame Dementis wurden in katholischen
Kirchenpostillen abgedruckt, und das, bevor irgendjemand katholische Kirchenangehörige
offiziell der Mittäterschaft beschuldigt hatte.
Doch am 10. Oktober 1996 brachte der Rundfunksender S2 - der dem Christentum
alles andere als kritisch gegenüber steht - in der Nachrichtensendung
S2 Aktuell um 12 00 die folgende Meldung:
"Sowohl anglikanische, vor allem aber katholische Priester und Nonnen
stehen unter der schweren Beschuldigung, sich aktiv an der Ermordung von Menschen
beteiligt zu haben. Besonders das Verhalten eines katholischen Geistlichen
hat die Öffentlichkeit nicht nur in der ruandischen Hauptstadt Kigali
monatelang beschäftigt. Er war Seelsorger an der Kirche zur Heiligen
Familie und soll Tutsis auf die grausamste Art umgebracht haben. Unwidersprochen
sind Zeugenaussagen, wonach der Geistliche mit einer Pistole im Gürtel
marodierende Hutu-Milizen begleitet hat. Tatsächlich ist es in seiner
Pfarrei zu einem blutigen Massaker an Tutsis gekommen, die sich schutzsuchend
in dieses Gotteshaus geflüchtet hatten. Selbst heute, zwei Jahre später,
gibt es noch viele Katholiken in Kigali, die wegen der nach ihrer Meinung
erwiesenen Mittäterschaft eines Teils der Priester keinen Schritt mehr
über die kirchlichen Schwellen setzen. Es gibt in Ruanda kaum eine Kirche
(!), in der nicht geflohene Menschen - Frauen, Kinder, alte Leute - im Anblick
des Kreuzes brutal erschlagen, abgeschlachtet worden sind. Augenzeugen berichten,
Geistliche hätten in Verstecken untergetauchte Tutsis verraten und sie
an die machetenartigen Messer der Hutu-Milizen geliefert.
Es gibt inzwischen auch erdrückende Beweise dafür, daß sich
ganz offenbar auch katholische Nonnen während der Zeit des Völkermords
in Ruanda mit schwerer Schuld beladen haben. In diesem Zusammenhang werden
immer wieder zwei Benediktinerinnen erwähnt, die inzwischen in ein belgisches
Kloster geflüchtet sind, um sich dem Zugriff der ruandischen Justiz zu
entziehen. Die eine hat nach übereinstimmenden Aussagen von Überlebenden
die Hutu-Mörder gerufen und sie zu mehreren tausend Menschen geführt,
die in ihrem Kloster Zuflucht gesucht hatten. Mit Gewalt seien die Todgeweihten
aus der Kirchenanlage herausgetrieben worden und unmittelbar vor den Türen
im Beisein der Nonne ermordet worden. Auch die andere Benediktinerin habe
direkt mit den Mörderbanden der Hutu-Milizen zusammengearbeitet. Auch
von ihr berichten Augenzeugen, sie habe kaltblütig und ohne eine Reaktion
zu zeigen mitangesehen, wie Menschen abgeschlachtet wurden. Man wirft ihr
sogar vor, und auch dafür gibt es Zeugnisse, daß sie den Killern
Petroleum besorgt hat, mit dem die Opfer bei lebendigem Leib angezündet
und verbrannt wurden." [S2]
Offenbar
hat diese Nachricht einen Nachtrag erhalten. Meldung der BBC:
Priests get death sentence for Rwandan genocide
BBC NEWS April 19, 1998
A court in Rwanda has sentenced two Roman Catholic priests to death for their
role in the genocide of 1994, in which up to a million Tutsis and moderate
Hutus were killed. Pope John Paul said the priests must be made to account
for their actions. Different sections of the Rwandan church have been widely
accused of playing an active role in the genocide of 1994...
· Wie man also sieht, ist für das Christentum das Mittelalter
niemals wirklich zu Ende.
· Das Entsetzlichste aber ist, daß jede Generation von Christen
die Verbrechen und Greuel, die eine Generation früher von ihren Glaubensgenossen
im Namen des Christentums begangen wurden, verleugnen und bestreiten, oder,
falls das nicht mehr möglich ist, flugs behauptet wird: oh, aber das
waren ja keine richtigen Christen! Wahre Christen sind nur diejenigen, die
ihren Nächsten lieben, Gutes tun usw. usw.
Als ob das nicht Anhänger jeder beliebigen Religion von sich behaupteten.
Wenn ich heute Christen über Moral sprechen höre, wird mir übel.
Quellen
Alle Übersetzungen aus dem Englischen von mir.
[DA]
K.Deschner, Abermals krähte der Hahn, Stuttgart 1962.
[DO]
K.Deschner, Opus Diaboli, Reinbek 1987.
[DZ]
DIE ZEIT Nr.5, 1998.
[EC]
P.W.Edbury, Crusade and Settlement, Cardiff Univ. Press 1985.
[EJ]
S.Eidelberg, The Jews and the Crusaders, Madison 1977.
[HA]
Hunter, M., Wootton, D., Atheism from the Reformation to the Enlightenment,
Oxford 1992.
[KM]
Schröder-Kappus, E., Wagner, W., Michael Sattler. Ein Märtyrer in
Rottenburg, Tübingen, TVT Medienverlag 1992.
[LI]
H.C.Lea, The Inquisition of the Middle Ages, New York 1961.
[LM]
E.Le Roy Ladurie, Montaillou. Ein Dorf vor dem Inquisitor 1294-1324, Frankfurt/M
1982.
[MM]
M.Margolis, A.Marx, A History of the Jewish People.
[MV]
A.Manhattan, The Vatican's Holocaust, Springfield 1986.
Außerdem: V.Dedijer, The Yugoslav Auschwitz and the Vatican, Buffalo
NY, 1992.
[NC]
J.T.Noonan, Contraception: A History of its Treatment by the Catholic Theologians
and Canonists, Cambridge/Mass., 1992.
[S2]
Nachrichtensendung von S2 Aktuell, 10. Oktober '96, 12:00.
[SH]
D.Stannard, American Holocaust, Oxford University Press 1992.
[SP]
Nachrichtenmagazin Der Spiegel, no.49, 12/2/1996.
A True Account of the Most Considerable Occurrences that have Hapned in the Warre Between the English and the Indians in New England, London 1676.
F.Turner, Beyond Geography, New York 1980.
H.Wollschläger:
Die bewaffneten Wallfahrten gen Jerusalem, Zürich 1973.
(Das beste was ich je zum Thema Kreuzzüge gelesen habe. Enthält
eine Zusammenstellung christlicher mittelalterlicher Chroniken. Leider nicht
mehr im Druck).
Schätzungen
der Anzahl hingerichteter Hexen:
· N.Cohn, Europe's Inner Demons: An Enquiry Inspired by the Great Witch
Hunt, Frogmore 1976, 253.
· R.H.Robbins, The Encyclopedia of Witchcraft and Demonology, New York
1959, 180.
· J.B.Russell, Witchcraft in the Middle Ages, Ithaca/NY 1972, 39.
· H.Zwetsloot,
Friedrich Spee und die Hexenprozesse, Trier 1954, 56.